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Heartbeat Now! - Aktueller Blog

Türkei

Sonntag, 2. Oktober 2022 - Asartepe Baraji, Türkei

Hier in der Türkei sind in den Städten Läden derselben Art gleich nebeneinander zu finden, Stadtviertelweise.

Harpunierladen neben Harpunierladen. Schlosserviertel. Druckerviertel. Schickimickiviertel.

Wir sind heute im Schrauberviertel. Mechaniker.

 

Ein Laster mit der Ladefläche voll Schrott kommt, hält vor den Firmen, die sich aneinander reihen. Alles kleine Werkstätten. Die Arbeiter gehen hin, nehmen sich was sie brauchen und packen auf die Ladefläche, was sie nicht mehr brauchen. So läuft das hier. Austausch. Wiederverwertung.

 

Ich liebe ja dieses Wort. Wert.

Gib den Dingen einen Wert. Gib den Menschen einen Wert. Allem.

Eine Wertschätzer Kultur – oh wie wohlig!

Wir wertschätzen viiiiel zu wenig, wir kritisieren viel zu viel. Alles. Happenings, andere, uns selbst. Oder nicht?

Wir sind es eher gewohnt zu be-werten, als zu wert-schätzen (kulturelle Prägung).

 

Für unseren Fall, wertschätzen wir diese Art der Wertstattarbeit. Unser lieber, süßer, gealteter Fidibus braucht nicht mehr die noblen, neuen Ersatzteile, sondern begnügt sich mit bereits gebrauchten, immerhin sehen auch diese Teile nachher aus wie neu, wie ihr seht.

 

Wieviel Reise wir noch mit unserem Fidibus machen wollen?, fragt ein Mechaniker. 20.000 km in etwa. Ja, dann passt das, dann brauchen wir nicht alles auszutauschen, sondern leben mit gewissen Alterserscheinungen. Die kommende Reise schaffen wir auch mit unserer älteren, erfahrenen Dame (ich finde ja Fidibus ist weiblich, aber das finde nur ich).

 

Eine weitere Woche Stadt. Ruhe vor dem Sturm.

Ruhe nicht wirklich. Eher Ortsstagnation. Wir werkeln fleißig. Jeden Tag. Bereiten vor. Organisieren. Am Fidibus sind Baustellen, die dringend Hilfe benötigen, am Fahrzeug, im Wohnraum. Die Visabeantragung ist zäh und zieht sich.

Besorgungen, Zahnarzt, all sowas, dafür ist hier der richtige Ort.

 

Das alles und das Sein in der Stadt fordern. Die Jungs sind zunehmend unausgeglichen und wollen raus, aufs Land. Und unsere Köpfe sind voll, mit dem, an was wir denken müssen, machen, tun. Aber endlich ist ein Ende in Sicht.

Die Visa für den Iran dauerten, weil keine Internetverbindung in das Land bestand und weil es iranische Feiertage gab.

 

Fürs Wochenende fuhren wir 50 km raus aus der City. Dann geht’s wieder rein, Reste erledigen und weiter geht’s.

Aber unsere Toilette machte uns erstmal zu schaffen und das war dringend zu beheben. Bilder werden erspart. Es hat in letzter Zeit so gerochen, ich dachte der Hund wärs, aber nein, das Klo (Schieber) war nicht dicht. Ewige Sauerei. Fehlt uns noch. Kommt immer passend. Ein Tag lang Kloarbeit! Dafür fahren wir richtig sauber weiter, auch gut, hat ja alles seine guten Seiten, hab sogar beim Putzen ein altes Mäusenest und eine Erinnerung vom Birdwatching in Schottland gefunden :-)

 

Unser Fixxer fragt schon nach, wann wir kommen. Sind noch 1400 km bis zur Grenze! Fixxer klingt komisch, so nennt man aber die Helfer, die für uns an der iranischen Grenze den Übertritt regeln. Sie kennen sich aus und das erleichtert uns enorm und verkürzt die Zeit, die wir an der Grenze brauchen. Wir sind gespannt.


Sonntag, 25. September 2022 - Ankara, Türkei

 

Nach Kappadokien fahren wir tatsächlich nochmal in die entgegengesetzte Richtung, in die wir eigentlich wollen. Einige hundert Kilometer extra nach Ankara, die türkische Hauptstadt.

In Ankara bekommen wir, was wir brauchen. Wir wollen (fast) alles in der Tasche haben, wenn wir Richtung Osten starten. Wir wollen nicht unterwegs viel erledigen müssen, denn unser Ziel ist Indien, ohne viel Bleiben hier und da zwischendrin. Nicht stressig, aber zügig.

 

Wir wollen nicht in Islamabad, Pakistan auf ein Visum warten und nicht wissen, wie lange wir Visumzeit in Indien kriegen. Wir wollen Klarheit, jetzt. Es bleibt schon noch genug offen und spannend auf dem Weg. Außer das Pakistanvisum, das online zu organisieren geht, wollen wir also alles dabei haben, wenn wir Ankara verlassen.

Unser Infekt und die Folgeschwäche sind vorbei, das haben wir in Kappadokien abgelegt und ist wieder ein echt gutes Gefühl. Die Stadt verlangt uns einiges ab. Dafür werden wir überrascht, wir angenehm es hier ist, gut organisiert, modern und dass wir einen praktischen, ruhigen Stellplatz mitten im Stadtpark finden. Tingeln zwischen Shopping Mall und Autoscooter darf dann auch mal sein.

 

Der Aufenthalt zieht sich, und natürlich wollen wir am Liebsten Zeit außerhalb Städten verbringen und dies ist die doofe Seite des Reisens. All die Organisation im Unbekannten von Unbekanntem.

Und Warterei. Im „So-Naja-Setting“ (gibt Schlimmeres). Ab und an kommen andere Reisende vorbei, auch unsere befreundete belgische Familie, die wir noch aus dem Lockdown in Marokko kennen, die auch nach Indien wollen. Mit jungen Türken können wir gut auf Englisch kommunizieren, gerne hocken sie sich hin und fragen zum Reisen.

 

Am ersten Stadttag klapperten wir alle Botschaften ab. Raus kam, bei zwei Ländern geht es mit den Visum online weiter.

Wir sind primär wegen der indischen Botschaft hier. Uns wird gesagt, wir sollen auch hier E-Visa machen und es gibt nur 3 Monate, mehr nicht. Aber das geht nicht, sagen wir, wir reisen speziell, anders, wir brauchen ein anderes Visum und länger. Nein, nicht möglich. Und wieder dran bleiben, einfach da bleiben, nicht aufgeben, standhaft bleiben, sich nicht mit der Antwort "Nein" begnügen. Wir möchten nach Indien, Überland und einen längeren Aufenthalt. Sie ziehen unsere Anträge wieder zu sich, sie geben sich wirklich Mühe, telefonieren. Aber nein. Sie würden sich informieren, wir sollen nochmal wiederkommen. Wir schreiben einen Brief mit unseren Gründen, wir kennen das Handling schon aus Ulanbatar (indische Botschaft Mongolei 2013) und wir kennen und lieben die Kommunikation mit Indern. Persönliche Gründe zählen. Wir haben genug Gründe. Schließlich rufen sie an und meinen, wir können morgen kommen und die Visa beantragen. Sie wollen noch genug Geld auf dem Konto sehen und einen Arbeitsvertrag. Und am nächsten Tag bekommen wir tatsächlich unser Langzeitvisum. Tata! Danke, liebe indische Botschaft Ankara!! In Indien ist das Unmögliche möglich, das wissen wir schon.

Das Visum sitzt im Pass, nun warten wir noch auf das Iranvisum, das lassen wir über eine Agentur machen, wir brauchen es auch mal einfach und unterstützt. Für Indien saß ich am dritten Tag Application Form ausfüllen 5 Stunden am Computer. Aufgaben delegieren entlastet.

Und dann gabs einen ganz besonderen Festtag: Finnis 9. Geburtstag!

Es war ein toller Tag - vorher gabs (passend zum Geschenke aussuchen) den Legoladen mit Einzelteilen, am Tag selbst den Rummelplatz, sowas hatten wir lange nicht! Natürlich hätte er lieber schon in Indien gefeiert, seinem Geburtsland, er ist wahnsinnig neugierig darauf. Und natürlich vibriert eine Geburtstagsfeier mehr mit anderen Kindern - auch das ist ein Manko unterwegs, wenn wir gerade zum Geburtstag wo sind, wo keine anderen Kinder sind. Die Bewertung ist allerdings nicht durchweg negativ - vielleicht ist es die Gewöhnung, vielleicht dass man gar nicht immer andere Kinder am Festtag haben muss. Auf jeden Fall war es ein sehr zufriedener Geburtstag! Und natürlich gab es in der Shopping Mall jede Menge leckere Süßigkeiten, wo ich einfach zugreifen musste für die Kuchenfreude.

Ich merke beim Reisen, dass sich viel von dem, was oft unbewusst an Meinung im Kopf ist, auflöst, verändert. Das ist die Veränderung, der wir Reisende, ohne es zu merken, dauernd unterliegen.

 

Was wir übrigens mega vermissen ist gute Marmelade! Hier finden wir keine, die uns schmweckt, noch nicht mal Rossmann hat welche importiert. Also selbst machen!

 

Jetzt schaun wa, wie lange es noch dauert in dieser Stadt, beobachten, was sich im Iran mit den Protesten und in Pakistan mit den Fluten tut, sind gespannt und in Vorfreude auf die Weiterreise.

Es sind tausende von Kilometern.

Verrückt.

Machen sollten wir es, wir alle vier wollen nach Indien - für uns bedeutet es auch, diesen Zirkel seit 20 Jahren abzuschließen.

Seit 20 Jahren wollen wir Overland. Irgendwann darf es klappen! Wie gesagt, viele Gründe!

Sonntag, 18. September 2022 - Ankara, Türkei

Erst übers Jagen, gleich über Kappadokien …

 

Als Jäger ist man auf der Lauer, visiert Ziele an, versucht gute Schüsse abzugeben und hat Jagderfolg und Treffsicherheit im Kopf.

Das Schießen ist Gewohnheit, es ist Hobby geworden, man merkt es schon selbst gar nicht mehr.

Unser 14jähriger Superbastler hat sich spezialisiert auf Bau von irgendwelchen Schussgeräten, hat auch schon so einige Geschäfte gemacht mit seinen selbstgebauten Steinschleudern. Baut ständig neu und schießt mit allem. Probiert und lernt, bildet sich selbst weiter. Lego hält auch her. Sämtliche Schussmaterialien liegen herum. Hier Drauftritt, da Drauftritt. Mama tönt im Dauerappell „Ich will da nicht drüber latschen“. Und das Klackgeräusch. Irgendwie fühlt man sich bedrängt. Dauerappell „Weiter weg!“

 

Aufgrund meiner derzeitigen Lage fiel mir neulich auf, dass er ja eine Mama hat, die auch schießt. Also sind wir zu zweit, die ständig damit zugange sind. Mein Schießen nervt oft genauso. Und mich selbst auch. Es holt mich fort aus dem Jetzt-Moment. Um ihn festzuhalten.

Daher war es mal richtig gut, dass mir das bewusster wurde, als ich die Kamera nicht mehr ständig zücken konnte. Natürlich griff ich gleich zum Notersatz, meine kleine Canon ixus oder dem alten Handy. Qualität unvergleichbar, daher Schießlustverlust. Ich konnte mich selbst beobachten. Super! Wie man doch die Kamera im Kopf hat, ständig, im Travel-Lifestyle.

Also Danke, meine Kamera hat nach vier Jahren genug gehabt und allmählich Alterszeichen gezeigt und schließlich nicht mehr geklappt, im wahrsten Sinne des Wortes, der Spiegel klappte nicht mehr. Gut, das ist in der Türkei natürlich kein Problem, alles reparabel hier, dennoch eine Zeitproblem für mich, drei Wochen an einem Ort dafür geht gerade nicht. Gebrauchte Kamera in Deutschland bestellt, blieb im Zoll hängen, hat mich nie erreicht, bis heute nicht das Geld zurück. Wochen gewartet, ob sich was tut, dann neu über einen türkischen Versand bestellt. Über drei türkische Helfer, einer, der organisierte, einer der in der Türkei das Geld vorschoss, um es später erst erstattet zu bekommen, einer der Empfänger war – alles für mich, als Fremde, total super! Die Kamera hat mich dann schnell erreicht, Kostenpunkt 200 Euro mehr als in Deutschland.

Jetzt kann ich wieder vernünftig jagen gehen. Oder bewusster ohne sein.

Bei meiner, wie auch immer Pech-oder Glückssträhne bzgl Kamera, habe ich bei der Canon Ixus ungewusst das Datum eingeblendet drin gehabt, dass die Bilder, die ich hab, nun mit einem fetten orangen Datum versehen sind. Aber das ist ganz eintönig mit den Sonnenaufgängen Kappadokiens.

Kappadokien ist eine Tuffsteinlandschaft im Herzen der Türkei, absoluter Tourihotspot, zu Recht!

Und trotzdem ist man auch nicht eng (zumindest im Reisemobil). Man kann ewig entdecken. Zwischendrin wird bewässsert und es wächst Obst, besonders Weintrauben. Es ist sicher eine der spannendsten Regionen, die die Jungs erlebt haben. Auf relativ kleinem Gebiet gibt es unzählige ehemalige Höhlenhäuser, Tuffsteinspalten zu durchklettern, immer wieder Neues zu entdecken. Nach einem Tag draußen sind sie dann grau geworden vom Staub. Ein dicke Staubschicht legt sich überall drauf – nach dem Aufenthalt in Kappadokien, zumindest wenn man ausgiebig mittendrin war, kann man defintiv Putz- und Waschladenzeit einplanen.

Vor Jahrmillionen lagerte sich Tuffasche aus Vulkanausbrüchen ab, die unterschiedliche Schichten, Farben und Härtegrade ergab. Nach Wind und Wetter blieb nur das harte Material übrig. So entstanden die einzelnen Hügelformationen, „Feenkamine“ werden sie auch genannt.

Das Gebiet ist schon seit Jahrtausenden besiedelt, in den letzten Jahrhunderten und bis ins 20. Jahrhundert lebten hier Christen, die sich in den Höhlen vor Verfolgung versteckten. Daher findet man noch viele Kirchen.

 

Kappadokien wirkt noch mystischer, wenn zu den schönsten Farbzeiten des Tages, also ganz in der Früh, die Heißluftballons steigen.

Um 5.15 Uhr beginnt das Feueratmen der Maschinen neben dir, sie starten fast jeden Morgen im Sommer, mal hier, mal da und manchmal direkt neben dir. Egal, wie oft schon gesehen, jeden Morgen ist es ein wunderbares Schauspiel. Außerdem sind sie so laut, dass man eh kaum noch schlafen kann. Wenn du den Feueratem hörst, weißt du, über deinem Bett muss gerade irgendwo einer sein.

Die Landschaft...

Unsere Entdeckungen...

Morgens beim Gassi gehen...

Und nochmal Ballons, a Neverending Lovestory...

Es gibt mehrere alte unterirdische Städte, die touristisch hergemacht sind. Kaymakli und Derinkuyu sind die bekanntesten. Sie gehen mehrere Stockwerke unter die Erde. Ich fand es am Faszinierendsten, wie eine ganze Reisegruppe von Dutzenden der Reihe nach in die Knie ging und durch die enge Röhre in die Tiefen verschwand, einer nach dem anderen. Die müssen am anderen Ende vom Kriechgang ganz schön viel Platz gehabt haben.

 

Kappadokien ist touristisch fabelhaft erschlossen, es gibt leckere Restaurants, du kannst Reiten, Quad fahren oder eine Ballonfahrt machen (Preise variieren stark, je nach Saison von 80 bis 250 Euro pro Person). Wir hatten uns einiges vorgenommen zu machen, wurden aber erstmal vollständig gesund, bekamen also erst unsere volle Kraft wieder. Kappadokien ist recht frisch, sobald die Sonne weg ist, daher konnte ich ohne Hitze außen endlich wieder vernünftig kraftvolle Gerichte nach unseren mehreren Kranksein-Wenigessen-Wochen kochen. Aufläufe, Lasagnen, und sowas, wo der Ofen lange wärmt. Das geht einfach sonst gar nicht im Fidibus bei Hitze, schließlich sind wir an die äußeren Temperaturen sehr angepasst im Reisemobil ohne künstliches Klima, also ohne Klimaanlage.

Kappadokien ist der Ort, um jegliche Settings zu beobachten... Marry me!

Fotosesssions, wallende Kleider, Fotomodell am Abgrund stehend, ...

Alles direkt vor der Haustür ;-)

In Ankara verbringen wir gerade längere Zeit, um unsere Weiterreise vorzubereiten. Das ist mit Wartezeiten verbunden. In einer Stadt kann man erledigen, bekommen und machen, was woanders nicht geht.

Ankara ist eine angenehme Stadt, modern und gut aushaltbar.

Ab nächstem Wochenende bin ich mit den Blogartikeln "up-to-dater" als zuvor, hab dann aufgeholt und schreibe die Blogartikel zeitangepasster, bei regelmäßig am Wochenende soll es bleiben.

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Sonntag, 11. September 2022 - Kappadokien, Türkei

 

Konya. Die Stadt auf der Hochebene mitten in der Türkei.

Konya. Bekannt, da Hauptstadt des Sufismus nach Rumi. Hier liegt Rumi im Mausoleum. Pilger reisen an. Es gibt interessante Museen. Und laute, dichte Straßen. Die wirbeln irgendwie alles auf. Aber da liegt was in der Luft in dieser Stadt. So sehr sie mich mitnimmt, so magisch ist sie andrerseits. Die Sufis sind es, sie strahlen was Besonderes aus. Im Sema-Ritual, dem gotteshingebenen Tanz der Derwische, drehend um sich selbst, die Konzentration dabei, der Respekt dem Gegenüber, dem stets mit Liebe begegnet wird, all das wird ausgedrückt.

Noah und Finni erleben mal was anderes im Science Center, ein Museum zum Ausprobieren der Wissenschaft.

Unsere Wäsche, neue Starterbatterie – und viel mehr gehen wir an und kommen endlich ein Stück aus dem Krankseinschlammassel raus.

Am Salzsee Tuz Gölü ist muezzinfreie Zone, es ist still, vor allember kalt nachts. Wahnsinn, alles, andere Welt!

Kappadokien hat seit einer Woche nun so viele Bilder gesammelt, dass sie erst sortiert werden, bevor sie hier kommen, es ist traumhaft spannend hier und gibt immer was zu entdecken und gucken … und somit fotografieren. Aber ich habe meine gute Kamera nicht mehr und eine neue zu organisieren war ein Megaschlammassel, das nun endlich gelöst ist, Auflösung kommt in Ankara. Aber so ohne Kamera unterwegs tut auch mal richtig gut! Man jagt nicht mehr, man ist mehr. Und essen tun wir auch endlich wieder mehr (nach dem Infekt, der sich echt Zeit genommen hat).


Dienstag, 6. September 2022 - Kappadokien, Türkei

Später Bilder aus Kappadokien! Erst: Life at the beach & in the mountains is wonderful!

Merhaba ihr Lieben,

 

ihr müsst immer lange warten für News von uns (die dann gar nicht mehr so new sind).

Auch dieses Mal: Die schönen Strände – unsere Sommerzeit am Meer – die schöne Bergtour liegen hinter uns. Wir haben das Meer verlassen ohne zu wissen, wann wir es wieder treffen. Wird’s der indische Ozean?

 

Trotzdem gibt’s hier natürlich noch Bilder, einfach weil`s schön war. Jenseits der Massentouriorte ist es richtig schön hier am Meer. Strandzeit tat gut (sonst waren wir beim Reisen oftmals zur falschen Zeit am falschen Ort, also es war oft zu kalt um zu baden, wenn wir an eigentlichen Sommer-Touriorten waren).

Als es uns zu heiß wurde, sind wir hoch in die Berge – aushaltbarer!

 

Ich richte gerade die Homepage übersichtlicher her. Habe vor wöchentlich, am Wochenende, zu posten im Heartbeatblog.

Bisher haben wir uns Zeit gelassen für die Orte, aber das soll sich bald ändern. Wie war das damals bis zum Baikalsee, 6400 km in 24 Tagen… Wir haben nach Ankara Fahrstrecke vor uns.

Hier auf der Homepage bleibts unsere Hauptseite, Whatsapp Status ist auch oft mit dabei, mit Instagram kann ich mich nicht anfreunden - nur sporadisch, und die exakte Live-Route verfolgt ihr bei polarsteps.

 

Nachdem wir Mitte Juni aus Deutschland geflogen kamen, blieben wir Wochen zwischen Izmir und Antalya. Traumhafte, einsame Buchten mit vorgelagerten Inselchen, die schwimmbar zu erreichen waren bei Marmaris. Ein Privatboot gemietet mit Stopp in klarem, türkisem Wasser und Schwimmen mit Schildkröten und Schnorcheln bei Dalyan. Noch mehr Schildkröten gibt’s in Demre zu finden. Geheime Buchten bei Fethiye. Touristische Highlights, wie die brennenden Berge oder Myra, die Stadt wo der Nikolaus herkommt, der längste Dünenstrand der Türkei usw…

Unsere Bergtour, endlich auf 2000 Meter abkühlen...

Besonders sind die ungeplanten Begegnungen mit Einheimischen, Einsiedlern am Strand oder oben auf dem Berg, Hirten, Menschen, die uns einladen mit ihnen zu weilen und Geschichten zu teilen. Und natürlich unsere eigenen Geschichten, die bewegen: Caretta Caretta Begegnungen, Offroadtour über die Baumgrenze, unsere Grippe, die lange zehrte...

 

Die Jungs waren einfach nur happy im Wasser. Eine Freude zuzuschauen, wie ihre Schwimm-/Tauchfähigkeiten täglich vertrauter wurden, allein deswegen lohnt sich wochenlanger Meeraufenthalt! Immer wieder Campernachbarn, die Türkei hat ihre eigene Campingkultur, leider fehlten uns die Kinder im passenden Alter, nachdem wir aus 5 Wochen Deutschland zurück waren. Unsere Freunde sind alle schon weiter gezogen. Wir überlegten auch erst nach Georgien zu fahren, aber dafür wird wohl die Zeit zu knapp, auch wenn die grünen Berge und Kühle uns sehr anziehen! Unseren Fidibus machte Simon tauglicher für alles, was noch kommen mag, Luftzufuhr, Reifen, Werkeln, gibt immer zu tun, ist ja nicht so, dass wir plötzlich komplett vorbereitet und geplant aufbrechen. Bei uns entwickelt es sich unterwegs.

Begegnungen mit anderen Reisenden: Einige passen und die vermissen wir, die, die wissen worauf es ankommt, was es bedeutet reisend, in der Fremde zu leben und mit Kids die Welt zu entdecken in allen Zeiten. Wir beobachten auch seit einigen Jahren, dass es vermehrt die gibt, topausgestattet unterwegs, wie eine sagte in Afrika „Wir konnten noch nicht mal in Ruhe abends unseren Wein draußen trinken, sofort kamen sie an und bettelten.“ So ist reisen eben nicht, kein Urlaub, keine Entspannung, dafür muss man auch beim Reiseleben erst sorgen und solange sich sonst respektvoll wie möglich Gegebenheiten außen anpassen. Gemeinsam durch dick und dünn, egal in welchem Lifestyle, die muss man erstmal finden! Es gibt sie und es ist immer schön, wenn man mal wieder zusammen findet!

 

Wir haben Lern-Sommerpause gemacht, allmählich gehen wir in unseren gewohnten Rhythmus über, und nach unserem Infekt dauert alles. In Ankara haben wir all die Formalitäten vor uns, danach wollen wir losziehen, ostwärts, verschiedene Länder, zügig. Ziel Indien.

 

Finni will seinen Geburtsort kennen lernen und vor 20 Jahren trafen Simon und ich uns dreimal zufällig in Indien, seitdem wollen wir Überland Europa verbinden, seit 10 Jahren sind wir im Fidibus als Familie unterwegs – all das wär Grund zu feiern in Indien, dem Land, wo alles angefangen hat.

Mal sehen, ob wir die Grenzen, die kommen, überwinden. Ob sich der Flow entwickelt, den wir damals hatten, als wir schnell in der Mongolei waren...

 


Donnerstag, 21. Juli 2022 - Marmaris, Türkei

Die Türkei überrascht uns mit vielen Eindrücken
Die Türkei überrascht uns mit vielen Eindrücken

Ich laufe weiter. Steine als Untergrund sind super unideal zum Vorwärtskommen. Was ist das jetzt schon für `ne Hitze, Ende Mai! Ich schlinge mein gerade in Istanbul auf dem Großen Bazar gekauftes Hamammtuch aus Leinen um Kopf und Oberkörper, verdecke was geht vor der Sonne. Wie konnten wir je auf die Idee gekommen sein, bereits im August in den Iran einzureisen. Das müssen wir nach hinten schieben!

Steinwüste. Brennend heiß. Bei jedem Schritt rollen die heißen Steine in meine offenen Schlappen, weiter, Schritt für Schritt. In Steinen läuft man nicht schnell. Gucke nur vorwärts runter, bei jedem Schritt. Immer Steine. Warum können Kinder nicht einfach mal Zeiten einhalten und dann rückkehren, wenn ein Sonnenbrand noch ausgeschlossen ist? Sie sind so weit weg, an diesem heißen Steinstrand hinten am Wasser, ich brauch ewig. Schritt für Schritt, erinnert mich an die Marokkowanderung in Knallsonne, nach der ich mir sagte nicht nochmal sowas zu machen!

Der Blick nach unten. Immer nur Steine. Schöne Steine, hier könnt ich sammeln. Aber interessiert mich gerade nicht. Weiter. Plötzlich guckt mich ein Auge an. Ein kurzer Schrei von mir. Das passt hier gar nicht ins Bild. Was ist das? Ein Wesen vom anderen Planeten? Nein, das ist dieser Fisch! Der so anders aussieht, mich anguckt inmitten der Steine, der aus dem Suezkanal herkam und nun eine Plage ist am Mittelmeer. Der Hasenkopfkugelfisch. Jawohl, Kugelfisch. Giftig für Mensch und Hund. Hat Gift in der Leber. Cave, Cave! Fischer angeln ihn und lassen ihn liegen. Soll sogar ein kleines Geld bringen, wenn man sie abgibt.

Das waren die letzten Tage in der Türkei, bevor wir - Jungs und Mama - Papa und Blue und unser Unterwegszuhause für mehrere Wochen per Flieger verließen, um in Deutschland Zeit zu verbringen, nach einem Jahr mal wieder. Um mit Verwandten und Freunden zusammen zu sein. Um in Eisdielen zu gehen, die nur in Deutschland so megalecker sind. Um im Watt die Gezeiten zu bestaunen, die Flut kommt zügig, während die Wattwürmer fleißig ihre Häufchen machen. Um bei einer Wanderung mit meinem 75jährigen Vater in die Lüneburger Heide von Beinschmerzen erschöpft zu sein - wir sind dann auf E-Bikes umgestiegen, das erste Mal für mich, ist wie aufm Jahrmarkt fahren, find ich. Um unseren lieben Emil zu halten, während Taufwasser über ihn gekippt wird. Um Gartenzwerge anzumalen. Um die Bremer Stadtmusikanten an den Beinen zu halten, soll ja Glück bringen. Um ausgerechnet in Deutschland starken Husten zu kriegen - war aber kein Corona, und um einen Magendarminfekt drei Tage vor Rückflug zu bekommen. Um zu merken, dass es in Norddeutschland nur vier Stunden dunkel ist nachts. Um Seepferdchen nach all den Jahren nachzuholen. Um Grundschulfreundinnen nach 30 Jahren zufällig wieder zu treffen, und uns zu verabreden. Um endlich bei Oma und Opa gemütlich in der neuen Laube zu sitzen. Um leckeren selbstgebackenen Kuchen meiner Freundin zu essen, den ich sonst nur im whatsapp Status sehe. Um mal wieder von Nowis treuem Timon besucht zu werden, egal wo wir sind, er kommt. Um Hollersirup selbst zu machen. Um Lebensereignisse zu begleiten. Und so weiter. Ja, man ist immer Teil. Teil menschlicher Beziehungen. Die bleiben bestehen, man gehört dazu. Egal, wie oft man sich sieht und wie weit man zwischendrin entfernt ist. Menschen „gehören“ zu einem, gemeinsame Zeiten, Erlebnisse. Genauso gehört alles, was wir erleben, auch zu uns - immer lässt man einen Teil von sich da und Orte und Begegnungen werden zum Teil von uns. Mal mehr, mal weniger.

 

Nach 5 Wochen Deutschland kommen wir zurück. Natürlich ist es jetzt noch heißer, voller, sommerlicher. Und anders als in Deutschland.

 

Wir werfen uns gleich mitten in die türkische Kultur. An einen von Einheimischen beliebten Strand. Sie wissen das Leben zu genießen, feiern, mit einfachen Mitteln machen sie sich ne gute Zeit, grillen, tanzen, angeln, baden, zusammen sein. Ständig werden wir beschenkt oder zum Essen eingeladen. Wir stehen direkt am Meer, aber so direkt, alles türkische Nachbarn und wir mittendrin, ein guter Start. Zuerst war noch Sturm, wir mit 120 kg Gepäck im kleinen Bus hockend. Alles braucht seine Zeit. Der Reifen hat sich auch so gefreut, dass wir wieder da sind, meinte Simon, er ist auf der Flughafenabholtour sofort geplatzt. Oder war es das Gewicht mehr? Er war vorgeschädigt von einem Nagel, der letztes Jahr in Südtirol entfernt wurde, war einer der Zwillingsreifen, daher problemlose Weiterfahrt.

Momentan sind wir an einem Traumplatz am türkisblauen Meer, idyllisch und nur für uns, sowas gibt’s nicht so schnell nochmal, also nutzen wir die Ruhe. Für Ruhe und zum Schaffen. In Vorbereitung für die Weiterreise. Nowi harpuniert leidenschaftlich und Finni hat auch Spaß im Wasser, wir sind alle froh, zurück in unserem Lebensstil zu sein. Der alte Rhythmus ist auch wieder drin. Nehmen uns jetzt am Anfang Zeit, neue Eindrücke und viel Bewegung kommen noch früh genug. Spätestens der leere Wassertank scheucht uns wieder los, oder der volle Klotank.

 

An den Türkei Anfang zurück: Mitte Mai kamen wir von Griechenland.

Erst Troja, dann Istanbul.

Der Countdown zum Flug, viel gesehen – alles Wow-Eindrücke, etwas unentspannt, weil wir gewisses Kilometerpensum schaffen mussten.

 

An Troja war der Stellplatz am Interessantesten. Über dem Meer stehend mit perfektem Blick konnten wir uns sehr gut vorstellen, wie strategisch gut angreifbar die Stadt damals war. Außerdem gibts da Kanonen, die sich bewegen lassen. In Troja selbst gibts Ausgrabungen und ein schönes Museum. Was wir uns gemerkt haben, dass unser Hund in Troja gekämpft hat. Hatte er lange nicht. Er hat sich mit dem Stellplatz-Straßenhund nicht vertragen. Ging glimpflich aus, nur ein bisschen Blut.