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Indien

16. Januar 2023 - Nord-Goa, Indien

Happy 2023!

Noah ist Baumläufer geworden aus großer Liebe zu Kokosnüssen - Sein unerschüttliches Motto: Trau dich!
Noah ist Baumläufer geworden aus großer Liebe zu Kokosnüssen - Sein unerschüttliches Motto: Trau dich!

Seit Ende November sind wir in Indien.

 

Indien.

Affen, Hitze, Kokosnüsse, Müll, Gerüche, Hinduismus, scharfes Essen, Menschen, die auf Selfies mit Touristen stehen, Hintern ohne Klopapier putzen, hupen, Fahren nach Spur frei und heiligen Kühen, Riesenspinnen, Kamele, Elefanten, grüne, blaue, bunte Vögelchen, bunte Kleider, laut rotzen, Schulkinder in Uniform, Blumenkränze, so viel mehr!!

Indien ist alles. Kann alles sein. Auf jeden Fall ist es: Intensiv!

 

Kaum dreh ich mich von der Bustür weg und wieder um, sehe ich einen der Affen mit Plastikbox mit grünen Kugeln drin über mir von Baum zu Baum hüpfen. „Wo hat er die denn her, mitten hier im Dschungel?“, denk ich. Bis ich checke, das waren die Weintrauben von unserem Tisch IM Fidibus! Sobald ich mich von der Tür wegbewegte, nutzte er die Gelegenheit, die wohl schon länger von ihm auserwählten Weintrauben auf dem Tisch zu ergattern. Cave: Affenalarm!

Ihr Lieben, das Schreiben wurde vernachlässigt, da wir mit uns zu tun hatten. Es war viel los, die Verarbeitung muss warten. Der plötzliche Verlust von Blue setzte uns ziemlich außer Gefecht.

 

Heute folgt also ein längerer Bericht über die ersten Wochen in Indien.

Die Pakistanstory wird noch nachgeholt.

 

Es gibt zwischen Pakistan und Indien nur einen Grenzübergang für Ausländer, der liegt im Norden fast am Himalaya, und heißt Wahga. In Pakistan werden wir herzlichst verabschiedet, typisch pakistanisch, der Grenzbeamte schenkt den Jungs jede Menge Chips und Popcorn, Frauen schenkten mir ein Blumenarmband. Noah kümmert sich um den Geldwechsel.

 

Die Wahga Border ist bekannt für ihre Grenzzeremonien, also fahren wir inmitten eine Arena und sind umzingelt von fahnenschwenkenden Indern, die auf die Feierlichkeit warten. Wir schwenken gleich mit, haben wir es doch endlich geschafft, nach fast 21 Jahren India Overland zu erreichen!

Grenzabwicklungen problemlos, bei der ersten Mautstelle werden wir gleich versucht abzuziehen mit einem viel zu hohen Rupienbetrag. Das kennen wir nicht mehr! Die beiden letzten Reiseländer, Iran und Pakistan, waren sowas von gastfreundlich und zuvorkommend, schenkend, einladend, dass diese Art nun total Gewöhnung braucht!

 

Bei Sonnenuntergang erreichen wir die Stadt Amritsar, die bald hinter der Grenze liegt. Sie ist bekannt für das Heiligtum der Sikhs, den Goldenen Tempel. Punjab heißt die Region hier im Norden und zieht sich durch Pakistan und Indien. Unsere erste Nacht verbringen wir nah am Goldenen Tempel mitten in der Stadt in einem Parkhaus. Innen! Stadtfrischluftzufuhr gibt es, bisschen bessere Luft als in Lahore vorher. Naja. Dafür ist die City nebenan. Ein buckeliger Junge in Lumpen mit zauberhaftem Lächeln verkauft ältere Postkarten, wir lassen unsere Isolierkanne mit frischem Chai füllen und probieren nordindische Kost, über die sich primär Simon freut (scharf). Gassenschlendern, Geschäftegucken, Gewürzmilch wird in hohem Bogen durch die Luft in den Tonbecher geschwenkt, dann sind wir da: Am Goldenen Tempel. Hier war nur ich im Jahre 2002. Der mit Blattgold überzogene Tempel wird von heiligem Wasser umgeben, das wiederum von einem rechteckigen Marmorweg und umliegenden Gebäuden. Pilger und Musik dazu ergeben die idyllische Atmosphäre. Wachmänner passen auf: Jeder Kopf soll bedeckt sein und jeder Fuß ohne Schuh. Ich versuche zu verstehen, dass wir tatsächlich hier sind, nach unserem weiten Weg von der Türkei, wo wir langwierig die Reiseformalitäten erledigten, weiter durch den politisch aufgewühlten Iran, mit Kalaschnikow-Polizeischutz durch Pakistan, mit schmerzhaftem Verlust von Blue im Herzen - wir sind hier, als Familie und mit unserem Haus auf Rädern. 

Die ersten Tage dienen der Neuorientierung. Simon hat sich ins Internetthema eingearbeitet und muss, um eine gute Simkarte zu bekommen, eine Hotelnacht kaufen, damit der freundliche Herr dort für ihn die Registrierung in seinem Namen vornimmt (geht nicht für Ausländer). Die nächsten Tage müssen wir uns ständig auf Hindi telefonisch bestätigen, bis wir dann endlich unsere gute unlimited Verbindung haben.

 

Erst wollten wir noch in den Exilort des Dalai Lamas nur 300 km entfernt in den Himalaya fahren, aber da wir Weihnachten in Goa sein wollen, schaffen wir das jetzt nicht mehr und schieben das auf Sommer, da wir dann mehr Zeit im Himalaya haben – und mehr Wärme. Also: Zielgerade Südindien, Goa.

 

Von Amritsar südlich, nicht mehr ostwärts. Wir suchen unsere Schlafplätze über eine App oder einfach so. Ein Vogelschutzgebiet bietet einen tollen Parkplatz, ruhig, mit Hanfduft. Alles Hanf um uns, Wahnsinn. Hier wandern wir entlang des Gewässers durch eine Baumallee. Wie lange hatten wir keine großen Bäume! Es ist herrlich. Dann kommen die Affen, sobald sie sehen, dass ich meine Tasche öffnen will kommen sie noch näher, wir müssen erst geübt werden in Affenbegegnung und bewaffnen uns mit Ästen, um sie zu verscheuchen. Irgendwann verfliegt mit der Zeit die Angst vor einer Horde Affen, Respekt und Vorsicht bleibt.

 

Seit Pakistan ist Linksverkehr und in Indien hält Simon sich tough. Megaaufmerksam, mithaltend, sonst bist du verloren, er benutzt die sonst nie benutzte Hupe, der Verkehr ist wenn es eng wird megachaotisch, für meine Nerven nichts, einige Straßen sind freier. Straßenqualität sowie Fahrverhalten der anderen uneinschätzbar, von miserabel bis okay. Manchmal so durchrüttelnd, dass es nicht dauerhaft aushaltbar ist. Aufgrund der Straßengröße ist keine Straßenqualität einzuschätzen, öfter sind die größeren Straßen in besserem Zustand. 

Wir fahren durch Rajasthan, ein eher spärlich besiedeltes, wüstiges Gebiet. Wir halten uns zurück mit Sightseeing, die Jungs haben keine Lust auf Bauwerke, wir sind innerlich eingenommen vom Schock um Blue. Wir verfolgen unser Ziel. Täglich schaffen wir 200 bis 300 km vorwärts. Grundsätzlich erregen wir überall Aufmerksamkeit, alle Augen auf uns, egal wo wir halten, egal wo wir stehen zum Übernachten. Häufig auch Klopfen am Fidibus. Keine Ruhe. Keine Privatsphäre, Blue hätte noch die Leute etwas abgehalten, nah an unser Fahrzeug ranzukommen und reinzugucken, wir müssen einen Weg finden, damit umzugehen. Insgesamt ist es echt anstrengend für uns.

 

Natürlich denke ich „Hätten wir diese Reise bloß nie gemacht!“ und Simon sagt „Jetzt sind wir von Indien geheilt“, weil es so fordernd ist, Indien mit seinem Chaos für uns im eigenen Fahrzeug unterwegs, dazu in unserer inneren Stimmung (wofür Indien ja nix kann). Es kommt alles hoch, weil alles verarbeitet werden muss und alles hat seine Berechtigung. Wir gewöhnen uns nebenbei an das Ticken dieser Welt, an den Bodenbelag aus Müll (daran kann man sich nicht gewöhnen), an die Gerüche, an das Essen, an die zunehmende Hitze, umso südlicher wir fahren.

 

Wir sorgen für frische Kokosnüsse. Damit verwöhnen wir uns. Noah sorgt für genug Nachschub, auch im Norden kann man sie kaufen. Erst trinken, dann aufschlagen und das Innere auslöffeln.

 

In einer Stadt warten wir an einer Kreuzung, wo wir geradeaus drüber müssen. Von links und rechts kommen ein Auto und ein Mopedfahrer aufeinander zu. Sie gucken aber nicht geradeaus, sondern auf uns. Und fahren frontal gegeneinander. Direkt vor uns. Was bin ich froh, dass der Mopedfahrer heil unter dem Auto auftaucht! Dann zeigen sie auf uns und erklären sich, dass sie beide zu uns rüber geschaut haben.

 

Eine Woche lang waren wir wahnsinnig mitgenommen von Blues Tod. Am siebten Tag fühlt es sich mehr nach Loslassen an.

Und am achten Tag passiert ein Hundewunder…

Unser Hundewunder kommt vor unseren Fidibus gelaufen. An einer Mautstelle.

Ich muss zweimal hingucken. Ist das Mini-Blue?

 

Ein wahnsinnig dürrer, bis auf die Knochen abgemagerter, zitternder Welpe gemustert wie Blue, schwarzweiß, zieht vor uns am Müll. Nach dem Mautzahlen halten wir an und ich locke den Welpen mit Wurst an. Ohne Kauen wird alles verschlungen. Es ist klar, nur jetzt füttern bringt nicht viel. Ein Blick zu allen - einverstanden. Wir waren uns schon vorher einig, wieder einen Hund zu haben, allerdings nicht so schnell… nun ist er aber da, dieser Welpe. Blutigeitrige Beulen am Kopf, schuppenübersäte Haut, mattes, dreckiges Fell, knochig. Große Augen. Ein Mädchen. Die Leute der Mautstelle sagten, sie ist schon länger da, sie schätzen sie auf 3 Monate und wir können sie gerne mitnehmen. Bika aus Bikamer ist immer noch bei uns. Ihre Wunden heilten. Sie lernte kauen und fressen. Nur das Fahren mag sie nicht, hoffentlich wird es besser, jede Fahrt spuckt sie. Es ist schön mit ihr. Natürlich fehlt Blue trotzdem mit seiner ganzen Art. Groß und Klein zusammen hätten sich sicher prächtig gemacht!

Auf der Kamelfarm von Ilse „Camel Charisma“ bekam Bika sofort einen Tontopf voll frischer Kamelmilch. Die soll sehr gesund sein und vor allem aufpäppeln. Bika sah aus wie ein Ballon. Das war zu viel! Wir mussten sie langsam füttern. Camel Charisma ist ein toller Ort mitten in Rajasthan. Hier geht es um den Erhalt der Raika-Tradition, der Kamelhirten. Kamelmilch mit gesundenden Eigenschaften soll vielen Menschen helfen, hier wird sogar Käse angefertigt. 

Wir fahren viel. Durch einen Dschungel gesellen sich kurz die Affen mit aufs Dach. Wir halten an, um indisch zu essen. Aber Achtung: Schärfe und Hygiene! Das Tollste an Indien dieses Mal ist, unser eigenes Klo und Bett dabei zu haben! Mit Magendarm haben wir immer wieder zu tun. 

Mumbai, die Metropole, umfahren wir weitläufig und trotzdem wirkt die Umgehungsstraße wie in der City. Immerhin: „Ein toller Supermarkt!“ -  ja das müssen wir erwähnen, denn westlich gewohnte Kost wie Joghurt oder Toast sind sonst nicht zu finden und für das Wohlbefinden unserer Jungs von Bedeutung! Seit dem Iran nur in Städten zu finden.

 

Die Strände nördlich von Mumbai und nördlich von Goa sind der Traum! Weite, Einsamkeit, Natur! Die Ruhe, die wir brauchen! Ich wusste nicht, dass es sowas gibt in Indien. Wir bleiben einige Tage, regenerieren etwas, verdauen das Neue. Bika wird ausgiebig im Ozean gebadet, das Beste für ihre Haut und endlich sauber, keine stinkenden Pfoten mehr!

In Goa treffen wir knapp zwei Wochen vor Weihnacht ein. Unser Ziel.

 

Finni ist megahappy, endlich seinen Geburtsort kennenzulernen.

 

Aber die Haussuche erweist sich als schwierig, außerdem sind die Preise in Goa extraorbitant gestiegen, die Häuser sind vermietet – klar es ist DIE Urlaubszeit schlechthin, Hauptsaison! Die Strände haben sich verändert, Goa ist überall zugebaut, laut, voller Menschen! Es ist eng in diesem dschungelartigen, kleinsten Bundesland Indiens, mit Fidibus sowieso. Die Atmosphäre ist nicht mehr die, die wir kennen. Die Hitze ist auch plötzlich gekommen, vor Goa weiter nördlich war es noch frischer, windiger. Wir reisen simpel -  Easy Travelstyle - haben keine Klimaanlage im Fidibus verbaut.

 

Irgendwann denk ich an Josef und Maria auf der Suche nach einer Herberge. So geht’s uns irgendwie. Unsere Herberge wird ein kleiner Wald am Strand. Für Geburtstag und Weihnachten. Passt. Tatsächlich finden wir für den Tag die nötige Privatsphäre und feiern in der Natur. Mit Feuerchen, die Natur harmonisiert einfach auch zu Feste mit uns! (Feiertagsbericht weiter unten).

 

Zwischen den Jahren ziehen wir nach Süd-Goa ans Meer. Hier ist der urige, schöne Overlander-Stellplatz in Agonda. Über den Jahreswechsel sind hier mehrere Overlander –  seit der Türkei mal wieder typisches Stellplatzfeeling unter Europäern. Vor 9 Jahren waren wir vier hier in einer Strandhütte und hatten Sehnsucht nach unserem Fidibus, den wir in der Mongolei zurückließen.

Jetzt darf Ruhe einkehren, wir bleiben und wollen lange bleiben. Agonda strahlt Ruhe aus. Erst werden wir krank. Finni macht den Vorreiter, dann liege ich flach mit Fieber und Grippe. Als ich wieder fitter bin, geht die Haussuche los. Aber in Agonda finden wir nichts Passendes.

 

Plötzlich ändert sich alles. Das Angebot bei AirB&B entdecke ich gerade rechtzeitig, das gibt’s doch nicht!

 

Tatschlich geht Finnis Traum in Erfüllung:

In einem Haus mit Pool an seinem Geburtsort zu wohnen! Ein prächtiges Haus, riesig, western-style, perfekt für uns mit allem, was wir wollten! Die Jungs haben ein riesiges Zimmer, Oma und Opa haben auch genug Platz und sogar einen Extrabereich! Ich habe eine Waschmaschine! Der super Ort zum Durchschnaufen für uns vom sonstigen Indien. Etwas abgeschottet, umzäuntes Gelände, bewacht.

Dass wir diesen Ruheort doch noch kriegten!

Es ist ein Genuss am Schreibtisch zu sitzen, vor mir in die großen, wehenden Blätter zu schauen, angenehmen Tempelgesängen zu lauschen, Eichhörnchen und minikleine Vögelchen zu beobachten und hin und wieder einen Affen. Die Temperatur im Haus ist viel erträglicher als im Auto. Wir können mal wieder die Türen schließen, jeder hat mehr als ausreichend Platz. All das, was für andere Hausbewohner normal ist, ist für uns Besonders geworden :-)

 

Ich liege am Pool, gucke auf das Zimmer, in dem Finni im Gebärpool geboren ist und sehe die Palme, an die ich mich in den Wehen abstützte. Es bestand ein gewisses Potenzial, dass mich während der Wehen eine Kokosnuss getroffen hätte, denk ich grinsend. Kurz nach der Geburt kam der Baumläufer und erntete an der Palme die reifen Nüsse, das weiß ich noch.

Es ist richtig, dass wir hier sind.

Indien kann jetzt beginnen. Bisher war es ein Vortasten.

Hier können wir ankommen und ich weiß, wir sind hier, weil wir Kreise schließen.

 

Kreise schließen fängt jetzt hier an.

 

Mit der Plazenta, dem Mutterkuchen, ha! 

Die Plazenta! Die haben wir brav verbuddelt, hier in Goa. Nur wo war das? Für die Antwort müssen wir die liebe Saroja ausfindig machen, in deren Garten wir sie einbuddeln durften. Saroja war bei Finnis Geburt dabei, hat als Freundin von Hebamme Corinna auf Noah geschaut. Sie sagte nach der Geburt, dass Noah in dem Moment als Finni geboren wurde, das Spiel im Nebenraum intuitiv verließ und zur Geburt seines Bruders passend in den Geburtsraum kam. Wir waren alle dabei, als Finni aus dem Wasser auftauchte.

Über all die Jahre hat sich der Kontakt zu ihr verloren.

Und jetzt?

Läuft sie hier an mir vorbei! Sie ist wohnt jetzt auch hier, ein paar Häuser weiter.

 

Zufälle. Das Gefühl, am richtigen Ort zu sein. Endlich durchschnaufen. Wir bleiben, bis wir genug aufgepäppelt sind für weiteres Indien.

 

Irgendwie wollen wir dieses Jahr auch noch zurück. Nach dem Himalaya. Auch das bleibt spannend. Welche Grenzen werden dann offen sein? Wo lang geht es? Momentan öffnet China, bleibt der Iran offen?

Aber: Jetzt abtauchen in the Goa Planet und step by step sehen, wie sich alles entwickelt.

 

Wir wollen achtsamer, geruhsamer vorgehen, so gut es geht. Wieder mehr Freude kommen lassen. Das letzte Jahr war reich, wir haben viel Wunderbares erlebt und einen großen Schrecken, vor allem haben wir viel erlebt. Aber es zählt nicht die Quantität, sondern die Qualität. Man lebt nur einmal. Jeder Schrecken macht bewusster.

 

Wir wünschen euch noch ein tolles 2023!


26. Dezember 2022, 2. Weihnachtstag - Nord-Goa, Indien

Merry Christmas!

Unser zweites Mal Geburtstag und Weihnachten zusammen in Indien.

Das Geburtstagskind bestellt Unmengen an Kokosnüssen, bekommt eine Speck-Cheddar-Kartoffel-Tarte, findet sein Makitawerkzeuggeschenk in Goa, abends bringen Inder noch eine Schokotorte mit „HappyBirthday“ und „Merry Christmas“ gleichzeitig drauf,… so vieles mehr, was ihm Freude macht!

Am Eindrucksvollsten ist, dass Noah 15 wird. Wahrhaftige 15 Jahre dürfen wir mit dir zusammen sein. Uns von dir inspirieren lassen, uns mit dir wohl fühlen, unbeschreiblich glücklich darüber sein.

 

Jeden Tag faszinierst du uns erneut mit deiner Begeisterung, deiner Liebe, deinem Wissen und deiner Kreativität.

Ein kleines Bäumchen wird zu unserem Weihnachtsbaum im Wald neben dem Meer, die indischen Kühe finden dieses frische Grün natürlich interessant, und abends zaubern wir eine wunderschöne Stimmung mit vielen Kerzen.

Danke.

Es ist genau das, was wir brauchen. Eine gemütliche Runde in zauberhafter Atmosphäre.

Wie letztes Jahr in Rumänien mit unserer befreundeten Familie aus dem Marokko-Lockdown 2020 feiern wir auch dieses Mal mit unserer „Reisefamilie“. Mit Manuel, den wir in der iranischen Wüste auf seinem Fahrrad kennengelernt haben, und eng im Pakistankonvoi zusammenwuchsen, und seiner Freundin Lilla.

Die Harmonie war nicht unbedingt absehbar. Blue wird noch arg vermisst, Goa ist anders und nervig, es war etwas wie Josef und Maria auf der Suche nach einem passenden Ort. Dann wollte uns die Polizei noch wegschicken, aber seit der Polizeieskorte in Pakistan wissen wir mit Polizei umzugehen und bleiben standhaft, sie verstehen es und lassen uns.

 

Erwartungen loslassen, annehmen, Mitgefühl und Demut leben, Freude und Wohlgefühl teilen.

Dankbar für jeden Moment. Leben.

 

Wir wünschen euch Freude, Freude, Freude - und sonst Zuversicht, Kraft und eine gesunde Portion Humor. Mit Gesundheit.

 

 

Kommt gut in ein neues tolles Jahr!

27. November 2022 / 1. Advent - Rajasthan, Indien

 

Momentan passiert zuviel, als dass ich mitkomme darüber zu berichten.

Alles nach und nach. 

Alles muss sacken, verarbeitet werden.

Vor allem, dass uns lieber Blue von uns gegangen ist. 

Wir vermissen ihn so sehr!!!

 

Plötzlich war alles anders…

... wenn jemand stirbt, den man liebt, wird das Herz größer.

 

Manchmal möchte ich keine Geschichten mehr erzählen.

Wir sind nicht mehr das, was wir mal waren. Wir haben jemanden aus unserer Mitte verloren.

 

Blue war so wie wir. Deshalb hat er wunderbar zu uns gepasst.

Blue, dein ganzes Sein, alles vermissen wir wahnsinnig, so eng und nah wie wir leben, vermissen wir dich bei jedem unserer Alltagsschritte. Deine fliegenden Ohren, wenn du beim Fahren deinen Kopf am Fenstersims hieltest. Dein morgendliches Wecken, deine ästhetische Art auf dem Fahrersitz zu sitzen und den Überblick zu bewahren und damit alle Menschen zum Grinsen zu bringen. Deine Supersprints auf freier Fläche, dein Lachen dabei in deinem Hundegesicht. Du hast Begeisterung und Freude verbreitet, die fehlt nun!

Du warst genauso freiheitsliebend. Wir haben um die Freiheit bei der Polizeieskorte gekämpft. Eine anstrengende Zeit lag hinter uns, lange kein ausgiebiger Auslauf, keine entspannten Familienausflüge in der Natur.

Du warst genauso supersensibel. Die Stadt Lahore mit all den Sinneseindrücken hat uns allen zugesetzt. Zu viele Eindrücke für ausgeprägte Sinne. Gestank, Lärm, Tohuwabohu in den Straßen. Wir passen nicht in Städte, und du auch nicht.

Nur für Erledigungen waren wir in der Stadt, Smognächte, dann Magendarm, schon blieben wir länger als gewollt und just in dem Moment, als wir aufbrechen wollen in Richtung Indien passiert es. Deine Sinne und dein Freiheitsdrang leiten dich in die wilden Spuren der Stadt. Erschreckt kommst du zurück zu uns gesprintet, aber da war was passiert, wir wussten nicht was, aber du standest nicht mehr auf.

 

Jetzt, wo unser Ziel so kurz bevor stand, war Blue nicht mehr bei uns. Wir verbrennen seinen Körper nur 5 km von der indischen Grenze entfernt auf einem Bauernhof. In unserer Situation hatten wir das Geschenk, genau die richtigen Menschen zu treffen.

Alles wird relativ durch den Tod.

Drei Tage später fuhren wir über die indische Grenze. Nicht froh, sondern betäubt.

Unsere Geburt dort anzukommen, ist geschafft. Aber jede Geburt beinhaltet Tod - mit Blue's haben wir nicht gerechnet.

Danke, unser liebster Blue, danke, dass du uns die Zeit mit dir geschenkt hast!

Es tut uns wahnsinnig leid, dass du so gestorben bist.

 

Wir haben uns Trauerzeit genommen, drei intensive Tage, eine Woche brauchte es aber, um aus dem Schreck rauszukommen.

Vier Menschen. Vier verschiedene Ausdrücke der Trauer. Laut oder leise, sichtbar oder unsichtbar.

Tierverbundenheit ist etwas Besonderes. Wir nahmen uns Zeit, die wir brauchen. Zeit für Abschiedsrituale. Respektieren den Ausdruck von jedem.

Wenn Kinder trauern, diesen Schmerz, wie hält man das aus?

Alles darf sein, muss sein. Schreien, lautes Schreien, Weinen, Verzweiflung, endlose Gespräche mitten in der Nacht. Aus-halten, lassen, miteinander durchgehen, da sein. Genauso wie zur Geburt verliert man das Zeitgefühl beim Tod.

Was nährt ist die Liebe. Die Begleitung.

Die Taxidermisten, die sich unserer Aufgabe stellten, entpuppten sich sofort als herzensgute Menschen, die uns die nötige Hülle schenken, die es braucht in der Fremde. Sie unterstützten uns bei allen Wünschen, die wir hatten, sorgten für unsere Privatsphäre, besorgten von sich aus Essen und Trinken für uns, ermutigten „Seid jetzt stark!“, „Unser Herz ist mit euch!“ Sie spürten unseren Schmerz. Respektierten unseren, ihnen fremden Umgang mit dem Tod unseres Hundes.

Blue!

Du warst nicht nur Freund, du warst Bruder, du warst in unserem Familienreiseleben enger Begleiter. Für die Jungs, für jeden von uns. Immer präsent. Wolltest auch immer dabei sein. Wenn wir uns umarmten, sprangst du an uns hoch und umarmtest mit.

 

Es ist unvorstellbar, ohne unseren Blue zu reisen.

Der Schmerz ist groß.

Aber es geht weiter.

Es ging schon weiter.

Wir sind mittlerweile in Rajasthan, Indien, auf dem Weg nach Goa, wo wir einige Monate Pause machen.

Stagnation brauchen, wenig Eindrücke, social life, gute Gespräche, chillige Orte.

 

Über Indien werde ich wie gewohnt später schreiben.

Bisher haben wir's echt völlig benebelt aufgenommen. Jetzt werden wir wacher und wacher - befinden uns umgeben von neugierigen Menschen, egal wo wir anhalten - heißt: keine Privatsphäre vorm Fidibus -, es gibt nur noch so scharfes, gewürztes Essen, dass wir kräftig mit der Verdauung zu tun haben - zum Glück haben wir uns gut mit Nudeln in der Türkei eingedeckt und die Maus (die wir übrigens dank pakistanischer Klebefalle der Polizei gefangen haben) hat sie nicht alle in ihrem Rucksackversteck verfuttert, und wir haben wieder knallig scheinende Mittagssonne (und arschkalte Wüstennächte). 

 

Heute gibt es schöne Momente mit unserem Blue zur Ansicht, Indien bleibt hinten liegen, was hatten wir für tolle Zeiten mit ihm!!!

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