Familien Reise Abenteuer


Heartbeat Now! Der Blog.

Ab 2020 gibt's circa wöchentliche Miniberichte, da ich mit dem Schreiben der Länderberichte nicht nachkomme.

Tadaaaaa….

Aus den Bergen bei Tarifa - Spanien. Donnerstag, 13. Februar 2020

 

So ist das. Warten. Ich und Geduld üben. Oder Simon: Sieh es doch nicht als warten, sondern lebe! Jipp, das ist wahr, nun hatte ich es so in meiner Birne verankert, dass wir nicht lange in Tarifa weilen sondern bald nach Marokko übersetzen und es wurde nix bis jetzt… erst musste das bestellte Teil ankommen, dann wurde die Visakarte gesperrt und es ist wohl besser man lässt sie sich nach Europa senden als nach Afrika.

 

Immerhin: Langeweile kommt nicht auf. Die Kinder haben Kinder zum Spielen, Rad fahren, Angeln, Skaten und ich hatte Zeit, mir innerhalb von drei Tagen via meinem deutschen Amazonaccount dieses Ofenteil (siehe Beitrag unten) in den Amazonlocker Tarifa schicken zu lassen. Dann hab ich Unmengen Mehl besorgt und bebacke nun die Familie :-) Es gibt hier einen Bioladen, eine glutenfreie Biobäckerei, einen Ökowaschsalon (mit nicht so extremen Waschmittel wie sonst üblich an den Waschautomaten). Eine andere Familie ist uns nah geworden, wir begleiten einander, haben viele Parallelen und merken mal wieder, was für ein Geschenk es ist, ähnliche Menschen zu treffen, mit denen es nicht viele Worte braucht und andrerseits ewig geplaudert werden kann.

 

Tarifa. An der engsten Stelle der Straße von Gibraltar. Die Stadt, die Kontroverse zusammenführt: Flüchtlingshotspot von Europa und weltbekannter Ort des Wind- und Kitesurftourismus…. Was würde ich machen, wenn vor mir während ich am Strand liege plötzlich ein Flüchtlingsboot ankommt? Neulich war es eine Nacht lang ganz unruhig vor uns auf dem Meer, die Küstenpatrouille fuhr hin und her und hin und her, leuchtete, Schiffe hupten dauernd laut. Was da wohl los war?

 

Mittelmeer und Atlantik treffen hier zusammen. In Tarifa beginnt die Costa de la Luz und die Costa del Sol bleibt hinter uns.

 

Es ist nicht richtig sommerlich, aber fast. Gibt noch zu viele Wolken und kühlen Wind. Aber es riecht nach Frühling. Bunte Blüten, Lavendel, Rosmarin, Zistrosenduft betören.

 

Morgens üben wir gerade wieder Bruchrechnung (in Abwechslung mit spannenderen Themen wie Koordinatensystem und negativen Zahlen), Englisch schreiben (für sein Alltagsenglisch bekommt Noah genug Komplimente), Rechtschreibung, in Bio geht’s gerade um Fortpflanzung im Tier- und Pflanzenreich, den Römern folgen nun die Germanen, obwohl die ja parallel da waren, Geo bleibt zur Zeit außer Atlaseinblicke bisserl auf der Strecke. Noah checkt einiges schneller als ich und das wird dann recht lustig. Aber das solls ja sein, wir üben fleißig am Spaß haben von manchmal trockenem Stoff und unserer Zweisamkeit-Lernsituation. Finn holt auch gern hin und wieder seine Zahlheftchen raus, malt gerade total viel und liebt vor allem Märchen. Soviel dazu, weil das ja immer gerne viele wissen wollen und ich noch nicht zum „wie geht’s überhaupt ohne Schule – Beitrag“ gekommen bin.

 

Übrigens: Wir werden recht zügig nach Marokkos Süden durchfahren, Großraum Marrakesch. Falls jemand Lust auf Marokko hat, und die Chance nutzen will jemanden dort = uns zu kennen, wir freuen uns über Besuch von Groß und/oder Klein!

 

Tarifa - Spanien. Mittwoch, 4. Februar 2020

 

Still Tarifa.

Eigentlich haben wir ja total Lust weiter endlich nach Marokko überzusetzen. Afrika liegt direkt vor uns. Aber nun sind wir hier auf dem großen Platz voller Reisenden mit ihren umgebauten Meisterwerken, die ein Zuhause unterwegs liefern, Laster, Busse, und vielen normalen Campingwägen (nicht wenige Rentner haben gerne überdimensionale Größen). Und vor allem vielen Menschen. Die hiesigen Stellplätze sind alle voll diesen Winter. Ich denke, aktuell stehen hier gerade um die 50, wir hatten vollere Plätze und sogar das nahe kleine Dorf Bolonia ist voll belegt mit der angesagten Überwintermethode. Neulich waren wir dort am schönen Strand zum Auftanken in Ruhe von all den Reizen, die ein großer Platz bietet.

Aber dann doch zurück nach Tarifa.

Oh, die Morgensonne kommt gerade hinter den Bergen hervor und leuchtet mich mit aller warmen Kraft orange an. Der Himmel ist klar, die Sonne tut gut. Ich hab Zeit, trinke in Ruhe meinen Morgenkaffee und sitze am Laptop. Noah hatte über Nacht wieder einen Angelversuch mit seinem Freund im Zelt gestartet, aber dann wurde er doch müde und kam zurück in sein Bett… In einer Nacht am Fluss hatten die beiden reiche Beute gemacht. Jede Menge Aal, geräuchert haben wir ihn nicht, aber gebraten schmeckt er auch, meinten die Aalesser begeistert. Wow, die Sonne strahlt. Knallgelborange mich an. Ein kleines Schildkrötenabenteuer hat Noah auch erlebt, dazu wollte er auf dem Kinderblog was schreiben.

Genau, und das ist es was uns hierhält. Die Erlebnisse mit anderen. Die Kinder haben hier Freunde gefunden, mit denen sie ihre Interessen teilen können. Finn hat sogar einen deutschen kleinen Lego-Ninjago-Fan gefunden, das ist eine seltene Begegnung unterwegs! Und wir Großen tauschen uns aus, es gibt jede Menge Inspirationen. Von einigen Begegnungen bin ich sehr berührt, solche Erlebnisse im Alltag sind doch selten zu finden. Es liegt auch daran, dass hier eben mehr Vielfalt an Lebenswegen gelebt wird. Und dann die Ideen, auf die mich andere bringen. So kam ich zu meinem Gasherd-Ofen, über den ich mich unheimlich freue, denn so kann ich backen – wenn auch in Miniformat! Auch wenn ich keine begabte Backfee bin, ich liebe es und ich hab`s sehr vermisst! Nun zauberte ich gestern auf meiner Gasflamme in einer speziellen Form erst Kokoskuchen, abends vegane Lasagne, es war der Hammer! Weiter geht’s mit Brot. Das Witzige, alles wird als Kreis gebacken.

Wenn wir dann zu Simons 40. immer noch nicht in seinem absoluten Lieblingsland (das war es auch schon 2002, als wir uns in Indien trafen) Marokko sind, dann gibt‘s immerhin selbstgebackenen Kuchen! Marokko wird dann nachgereicht J

 

 

Tarifa - Spanien. Freitag, 24. Januar 2020

 

Statusmeldung: Kuschelig. Mit Musik.

Was Besseres gibt’s nicht, wenn`s draußen nasskühl ist – Innenkehr, tut gut nach reicher Erlebnis- und Leutetreffzeit seit Dezember.

Nach unserer Deutschlandvisite verbrachten wir Woche eins in Malaga am Strand. Woche zwei in Marbella am Strand.

Auf dem ersten Platz mindestens 40 Reisemobile, vorwiegend Rentner, die ihren Winter in Südeuropa verbringen.

Auf dem nächsten Platz waren mindestens 20 deutsche Kinder eine Woche lang zusammen, dazu anderssprachige.  Ein Sammelort von Familien, die auf Auszeit, Elternzeit oder „deutschlandflüchtigem“ Ausstieg (wegen Schulpflicht etc) sind.

Allen gemeinsam ist mehr Zeit zu haben als im deutschen Alltag, ohne Termindruck in den Tag zu starten. Ansonsten sind es ziemlich verschiedene Menschen und Stile.

Dann wurde das Wetter grummelig. Alles wird wieder oberschlammig.

Mit Platz meine ich "Stellplatz für Reisemobile". Durch entsprechende Apps finden wir sie. Unsere Favoriten sind kostenlose, nett gelegene Orte. Leider umso beliebter, umso mehr Müll. Und natürlich sind das oft Sammelplätze, besonders im Winter, WoMo-Season. Im Sommer standen wir hier in Andalusien auf denselben Plätzen mit weitaus weniger Nachbarn. Am Mittelmeer in Andalusien sind wir also fast nur unter Deutschen, dazu ist snobby Marbella auch ziemlich deutsches Pflaster.

An Gibraltar vorbei ist die Straße über der Wasserkante aktuell von grünen Wiesen umgeben wie in Schottland, dazu typisch schottisch dunkle Wolken. Ganz anders als vorm halben Jahr hier in Megahitze und Trockenheit!

Und noch was ist ganz anders: Wir merken, wie uns Westeuropa reicht, wie uns das Platz-Hopping reicht, wie wir anders die Welt kennenlernen wollen. Nämlich so, wie wir es eigentlich wollten: Weniger gewohnte Umgebung, mehr andere Kulturen, in die wir mehr abtauchen. Europa zum Gewöhnen war dann mal.

Kräftezehrende Erkältungsgeschichten sind auch wieder Back-to-Power gewichen.

Meine Nase funktioniert wieder, und besonders gut wenn die Männer nicht auf die Idee kommen zu lüften bevor ich zurück in den Bus komme. Simon hat eine beschwichtigende Idee, man könne ja die Luft mit Orangenschalen im Gebläse erfrischen. 

 

Malaga - Spanien. Sonntag, 12. Januar 2020

Die Müllmänner!

Sie sind einfach toll.

Hierarchisch (wie besonders in Deutschland Jobs definiert werden) sollten sie gaaaanz oben stehen und jeder! sollte einmal einen Dienstmonat übernehmen.

Schließlich ist das mein Dreck, der da versorgt wird.

Alles sauber zu halten und sich gut um Abfall zu kümmern, ist eine wichtige Grundlage für gesund leben! Aufmerksamkeit hin da.

Weil ich einfach dankbar bin, dass jemand unseren Müll versorgt (abgesehen davon dass zu viel produziert wird und die endgültige Versorgung problematisch ist), hatte ich vor Weihnachten eine Idee: Auf unserem Strand-Stellplatz in Malaga wird täglich außer sonntags Müll geleert. Sobald ich den Müllwagen ankommen sah, bin ich hin und gab dem Mann eine große Packung Merci in die Hand. Die nahm er natürlich an, zielte damit aber direkt auf die hintere Klappe des Müllwagens zu. „No, no! It’s for you, for eating!“ rief ich. Er stoppte, zeigte fragend mit Finger von der Mercipackung zu seinem Mund. Ich nickte. Er hielt kurz inne. Das war ungewohnt für ihn. Lächelte etwas. Er verstand mich auch nicht wirklich, wohl auch Ausländer, wie ich. Aber er freute sich. Brachte die Schoki sogleich in die Fahrerkabine zu seinem Kollegen.

Also: We`re back to Malaga!! Nach kurzen drei Wochen in Deutschlands Norden.

Aber jetzt ist es besser als vorher. Nach einem Jahr Familie und Freunde nicht sehen haben wir wieder aufgetankt und schöne Feiertage zusammen verbracht. Haben voll genossen, was für uns besonders ist: viele, viele vertraute Leute um uns, Einzelraumverteilung, Badewanne, Sauna, einhüllen in die Geborgenheit eines Hauses,… aber das muss nicht wieder Dauerzustand werden!

Wir sind froh, bewusst sparsam zu leben und zu können! und in unserem gemütlichen Heim die Welt weiter zu erkunden.

Ja. Ein dreiviertel Jahr lang sind wir nun „on the road“. Zu viert Minimalismus lebend in fremden Welten. Jetzt wissen wir mehr, wie es sich am besten hoppelt.

2019 waren wir zu schnell unterwegs, wollten Termine einhalten, sind nach Portugal, nach Schottland und zurück nach Südspanien geflitzt. Und wir sind immer noch in Europa! Einlassen, auflösen, sein akzeptieren, entdecken wo man steht – das waren die Themen 2019. Eine Basis schaffen, wie man es gemeinsam überhaupt so eng aushält und wie wir unsere Zeit gestalten.

Für unseren Schritt ins Homeschooling sind wir dankbar. Das läuft.

Jetzt kann Noah wieder in der Sonne seinem Fischbusiness nachgehen. Er verkauft sie nämlich neuerdings. Und das klappt sogar. „Also dann bis bald, das Angelwetter knallt, ich hoff ich fang nen großen Fisch, Fisch, Fisch!“ summt er fröhlich vor sich hin.

Seine Oliven, die er beim vorletzten Vollmond an den Schwefelquellen sammelte und in Wasser einlegte, um die Bitterkeit zu entziehen, sind auch was geworden! Regelmäßiges Wasserwechseln, Kräuter und Öl hinzufügen - nun kann er die Kunst, Oliven essbar und lecker zu machen.

Finn ist derweil mit Lego beschäftigt, und will nun morgens auch „dieselben Hefte“ wie Noah lernen und rätseln, also fangen wir jetzt auch ein bisschen an.

Wir brauchen nach dem Deutschland-Trip noch bisserl zum Ankommen und dann werden wir unserer Aufbruch-Stimmung nachgehen. 

Bis zur nächsten Woche!

Niedersachsen - Deutschland. Montag, 6. Januar 2020

Ein schönes neues Jahr, gehabt euch wohl! 

Die ersten Grüße zu Jahresbeginn auf dieser Seite kommen aus Deutschlands Norden, wo wir ganz spontan Zeit mit Familie und Freunden verbringen.

Fliegen ist nicht unser Ding, aber manchmal ist es das eben doch.

So lassen wir für eine Weile den Minimalismus hinter uns, tauchen ein in die Selbstverständlichkeiten, die wir aus Deutschland kennen: Reichlich, alles ist reichlich vorhanden, Wasser, Strom, ein Toilettentank wo noch was reinpasst, Termine, Deutsche Leute und Produkte... Umgeben von Fülle, natürlich gerade zu dieser Jahreszeit - wir sind wieder voll mit allem möglichen. 

Eigentlich reicht doch auch Wärme, Atmen und gutes Wasser. Und natürlich die Liebe :-) die wir hier gerade intensiv spüren dürfen.

Die norddeutsche Luft ist frisch und kühl, aber nicht kalt.

Es gibt ein Frostbild für den neuen Blog. Ein Bild einer Raunacht.