Familien Reise Abenteuer


Heartbeat Now! Der Blog.

Ab 2020 gibt's circa wöchentliche Miniberichte, da ich mit dem Schreiben der Länderberichte nicht nachkomme.

Tadaaaaa….

Tafraout - Marokko. Samstag, 28. März 2020

 

Stucked!

Einen Tag nach meinem letzten Post ging`s los: Veränderte Welt - auch hier!

Erst irritierte uns, dass wir kein offenes Restaurant mehr fanden. Sie dürfen keine Gäste mehr nehmen, aber boten an Tajine direkt an unseren Bustisch zu bringen.

Täglich folgten neue Maßnahmen.

Bis wir nun … in der Krise in Nordafrika festsitzen.

Die Verbindung zu Europa ist dicht, die Rückholflüge sind geflogen. Für die Camper gibt’s keine Rückholaktion, aktuell wird von europäischen Staaten eine Privatfähre gechartert, Kostenpunkt mindestens 1200 Euro pro Camper und 2 Leut`.

Vermutlich werden wir warten, bis wir unser Rückfahrticket benutzen können.

Wir sind dort Zuhause, wo wir sind.

So sind wir los, ohne ein Zuhause zu hinterlassen, unterwegs auf 5x2 Quadratmetern daheim.

Im Norden Marokkos, in Ceuta warten 500 Fahrzeuge auf die Fähre, der Stern und andere Medien berichteten darüber. Zu einem großen Parkplatz mit besserer Grundversorgung sind sie nach Tanger Med ins Hafengelände geschickt worden.

Viele andere beobachten die Situation aus mehr Ferne.  

So auch wir.

Wir sind sozusagen "ansässig" im Hinterland von Agadir. Am Rand des kleinen Städtchens Tafraoute. Ja, da fühlen wir uns fast eingebürgert in der Situation :-)

Der Fährbetrieb wird allerfrühestens am 20. April aufgenommen, vielleicht werden vorher Lösungen gefunden (wie oben). Bis dahin herrscht Unklarheit und hier festsitzen. Die Straßen sind kontrolliert, es ist unsicher, ob man sein Ziel erreichen kann. Es herrscht Ausgangssperre, einkaufen geht mit Zettel und Gemeindestempel, direkt vor unserem Platz steht das Militär zur Straßenkontrolle.

Nur das Wissen lässt uns eingeengt fühlen und das Unwissen, wie sich Corona weiter entwickelt in diesem Land und zu welchen Maßnahmen es noch kommt, fordert dauerndes Überlegen über unseren Umgang damit. Im Grunde geht es uns wirklich gut und auch der Platz ist in der Situation spitze. Allerdings wenn die Kinder dann auch noch krank sind, wird klar auf was es ankommt. Das gewohnte medizinische System der Heimat wird vermisst, sollte man es im Notfall brauchen. Finn wurde richtig krank, hohes Fieber und sein Bein tat ihm schrecklich weh und durfte weder berührt noch belastet werden. Zum Glück ist da das Schlimmste überstanden, es dauert immer ein paar Tage, zum Glück ist viel Medizin mit an Bord.

Ansonsten wie gesagt: Ohne das äußere Tamtam fühlt es sich so an, als würden wir hier einfach längere Pause machen. In unserem Palmenhain auf 1000 Meter Höhe dürfen wir raus, können einkaufen und nichts ist ausverkauft, die Marokkaner sind sehr freundlich. Am Platz gibt`s Wasserversorgung für die Fahrzeuge, Gas wird gebracht, vor unserem Bus ist der Ziehbrunnen (fürs Wäschewaschen, ein Akt die Wäschemenge unserer erdwühlliebenden Kinder zu bewältigen!). Es ist kein offizieller Campingplatz, eine Art städtischer Stellplatz, 1,50 die Nacht.

Und wir sitzen mit anderen im Boot: Deutsche, Europäer, mehrere Kinder. Wir sind ein zusammengewürfelter Haufen in der Krise. Wir tauschen aus, helfen einander, spielen, teilen.

Wir richten uns ein, haben die typisch marokkanische Matte für vor den Bus gekauft, damit der Sand nicht so wirbelt und nennen sie unseren „englischen Rasen“. Simon hat neue Batterien gekauft, die alten waren tiefentladen und behielten nix mehr, abends hatten wir Stromprobleme.

Wir machen unser Homeschooling weiter, was plötzlich alle Welt macht.

Für uns ist es auch nicht mehr neu, den ganzen Tag miteinander zu verbringen, aufeinander hockend, wie viele andere sich nun Zuhause bleibend erst gewöhnen müssen. Wir haben unsere klaren Bedürfnisse formuliert und sind tiefer in Beziehung gegangen. Wir wissen, wie es ist zu viert auf engstem Raum zu (über)leben ;-)

Uns geht es gut hier, bald schreibe ich noch andere Geschichten, soweit das Update für heute.

Das Handy kommt öfter zur Seite, es holt mich fort aus dem Hier, zeigt die verrückte Welt. Da muss man achtsam sein, dass all die News, Dramen, Vermutungen, alles zu Corona nicht zu sehr abfärben und trüben.

Ob wir überhaupt sobald wie möglich nach Deutschland aufbrechen, wissen wir gar nicht. Hätten wir das anfangs gewollt, hätten wir die Fähren noch rechtzeitig vor Stopp gekriegt.

Achtsam sein. Glück haben. Ruhiges Atmen macht ruhige Gedanken.

Hier ist`s gut. Wir hoffen, bei euch auch!

Tafraoute - Marokko. Mittwoch, 18. März 2020

 

Okay, okay, ich beginne mit Corona.

Wir sind ohne Corona-Panik. Wir merken es noch nicht mal, nur per Online-Infos, die wir kriegen. Hier läuft alles normal. Zumindest in unseren Wüstendörfern, wo wir uns rumschlagen. An den Flughäfen und Häfen sieht`s anders aus, das Auswärtige Amt startet Rückholaktionen. Über die spanische Enklave Ceuta ist die Ausreise mit Fahrzeug wohl noch möglich, wie lange fraglich und wenn, dann spannend, es ist bekannt für Flüchtlinge, die sich beim Tankstopp schnell in die Wägen schmuggeln.

Wir haben uns entschieden, erstmal so weiter zu machen wie geplant. Bleiben also und stürzen uns nicht Hals über Kopf auf und davon.

Wir bleiben wachsam über die Situation. Mal sehen wie es sich für bleibende Touristen entwickelt.

Ganz alleine fuhren wir eine kleine, meist asphaltierte Straße mitten durch den Anti-Atlas, fort von unserem Wüstenort. Immer wenn wir auf einem Bergspitz umherschlängelten, piepten unsere Handys mit neuen Coronanachrichten, da uns nur dort der Empfang erreichte. Der Ort Tafraoute liegt auf 1000 Meter und ist umzingelt mit hunderten Reisemobilen, die alle Platz in den Palmenhainen gefunden haben. Wir sind also nicht die Einzigen in Marokko, die noch hier sind.

 

Corona hin oder her. Es gibt noch anderes, was Panik machen kann. Bei uns war das eine handtellergroße Wüstenspinne in Gelb, die Simon eines Nachts vor sich entdeckte – und leider nicht kriegte. „Die war so schnell, Wahnsinn!“ Er recherchierte sofort, es ist diese Spinne, die rollen kann und mit 2 Meter pro Sekunde durch die Wüste rollt. Die eigentlich seltene Cerebrennus rechenbergi ist nach ihrem deutschen Entdecker genannt. Wüstenskorpione töten sofort, die Kamelspinne, die eigentlich keine echte Spinne ist, ist noch giftiger und unser Exemplar ist die giftigste Spinne. Warum die ausgerechnet in unserem Bus landete, ist ein Rätsel. Simon vermutet unser Festfahren in der Wüste, ich denke an den kräftigen Wind der alles hineinwehte. Die Marokkaner sind entsetzt und kommentieren „Oh, your Sahara Welcome!“ Mir darf Simon von Riesenspinnen eigentlich nicht erzählen, ich bin dann nur noch panisch. Mit Spinnen habe ich es gar nicht. Aber man muss ja dann … irgendwas machen. Bus ausräumen bringt wahrscheinlich nix, denn wir haben mindestens eine Millionen Dinge dabei und genauso viele spinnenfreundliche Schlupflöcher. Wochenlang im Hotel verbringen macht auch nicht sicher, dass die Spinne danach nicht mehr da ist. Also fahren wir los. Das ist jetzt schon einige Tage her, wir sind Wellblech gehoppelt und viiiiel gefahren, außerdem weiß die Spinne bestimmt, dass ich sie mindestens 5 Minuten anschreien werde, wenn ich sie sehe - daher gehen wir davon aus, sie mochte es nicht mehr bei uns. Die Giftzentrale Deutschland ist auch nicht gerade Experte für Saharaspinnen und Kinderreaktionen, ich wollte schonmal prophylaktisch erkunden. Guuut, in Frankreich bei der letzten größeren Spinne, die Finni beiläufig erwähnte konnte ich nicht mehr aufhören mit Schreien und die Campernachbarn schauten alle aus ihren Fenstern, wer denn bei uns abgemurkst worden ist. Ich muss sagen, alles ist Gewöhnung. Auch der Gedanken mit einer Spinne, dieser Spinne, hier zu sein. Die erste Folgenacht war furchtbar, der Kleine schlief sofort aber dem Großen ging es so wie mir und da half nur Familienkuscheln ganz eng zusammen und ein bisschen homöopathisch was für die Psyche tun.

Es war also auch bei uns aufregend in letzter Zeit. Und wüstig…

10 Tage blieben wir in M`hamid, dem Tor zur Wüste, zur Sahara.

Hier gehen die Pisten los zur Erg Chegaga, der Dünenlandschaft, hier wird’s flach, sandig und steinig und die algerische Grenze ist nah.

Es ist noch heißer und trockener, als eh schon vorher in Marokko. Und viel zu windig für die Jahreszeit.

Wir wechseln von einem Campingplatz zum anderen, an beiden ist`s schön. Der eine hat tolle Leute und ein gemütliches Setting mit eigenen Sanddünen, der andere liegt wunderbar erhöht am Beginn der Wüste und marokkanisches Flair. Einen Abend wird zu Geigenmusik und Lagerfeuer getanzt und am anderen Abend wird die untergehende Sonne über dem Sandmeer in ihren Rottönen bestaunt. Ja, es ist ein Meer mit Wellen, dieser Sand!

Die Wüste reizt uns, ruft uns. Gerne wollen wir rein, sie um uns haben, aber das geht nicht, zumindest nicht vonM´hamid. Ohne 4x4, nö!

„Einmal in der Sahara festfahren“ Das will Simon unbedingt. „Fliegende Ziege“ nennt man das hier, Sturköpfigkeit.

Aber natürlich haben wir alle Lust auf ein Abenteuer. Wir fahren weiter als uns empfohlen wird, weiter als die letzten Palmen im Sand. Dann ist Schluss. Wenn man eingefahren ist, stoppt das Fahrzeug abrupt. Sandbleche ab, buddeln. Wenn die Rausfahrversuche nix bringen, Ideensammlung in der Wüste, Sträucher abholzen, Steine sammeln, Teppiche, alles drunter zur Stabilisierung. Und wenn die Rausfahrversuche immer noch nix bringen, dann sitzt man eben bis es dunkel wird. Und wenn die Sonne untergeht, kommt in der Wüste schnell die Dunkelheit. Im Dunkeln durch den Sand den Weg zurück suchen, keine gute Idee. Die Männer freuen sich mitten im Wüstensand zu sein. Ich brauche ein bisschen Adaptionszeit, und hole dann die bereits in Frankreich gekaufte alkoholfreie Himbeersektflasche raus. Ist doch ein besonderes Ereignis. Wir sitzen fest - in der Wüste, machen Lagerfeuer vorm Bus, der Vollmond leuchtet und es ist still, so still. Die Wüste ist ganz still. Der Sternenhimmel irre. Das hat was. Was Wunderbares. Und ich merke Ängste in mir, die mich das nicht gut aushalten lassen, aber sie verfliegen etwas. Die Realität ist doch anders als die Hirngespinste.

Am nächsten Morgen gibt es frischgebackene Vollkornbrötchen. Dann weiter buddeln. Simon nimmt sich Zeit, will es perfekt machen, stemmt den Bus hoch, untergräbt und stabilisiert extra gut. Dann pendelt er raus, vor und zurück, vor und zurück. Geschafft! In seinem Übermut und Bedenken nochmal hängen zu bleiben tritt er zu sehr aufs Gas bei der nächsten Düne: Der Bus macht einen fetten Jump runter! Ich seh das von außen, weil ich Simon immer filmen soll bei seinen Stunts und nun bleibt mir der Mund offen stehen. Unser armes Haus! Aber der Bus fährt und schnurrt wie bisher. Zurück geht’s glimpflich durch die Sandstrecken und wir wissen nun: Auf keinen Fall bremsen, das buddelt uns ein.

Als Nächstes brauchen wir Ruhe und die Waschmaschine auf dem Campingplatz. Aber es ist eine Wüstenwaschmaschine, eine spezielle, und die Wäsche kommt krümelig raus. Lieber Handwäsche! Sonnentrocknen geht schnell. So steh ich da am JAHRESTAG seit Reisebeginn und schufte das erste Mal einen riesigen Wäscheberg per Hand! Abends gibt’s leckere, große Tajine.

Wir wollen aber noch richtig Wüste. Mit 4x4.

Runtergehandelt von 170 auf 100 Euro - mit Franzosem dabei.

„I show you my desert!“ sagt unser marokkanischer Fahrer. Gleich zu Beginn durch die Sanddünen. Er rast durch. Wir müssen uns gut festhalten. Und dazu laute arabische Musik. „I love loud music!" Finni hält sich die Ohren zu. An Dromedarherden dürfen wir aussteigen und nehmen gleich den scharfen Duft von Rukola wahr. Wüstenrukola ist lecker und scharf! Es gibt sogar einen Wüstenrukolablüten-Imker hier. In der Oase Sacree essen wir Picknick. Unser Fahrer und der Franzose beginnen zu trinken. Na toll. Alkohol ist hier überhaupt ein Problem, haben wir schon öfter gehört. Unser Fahrer hat nun also verklärte Augen, bin gespannt wie es weitergeht. Er verliert mehr seine Hemmungen „Okay for your husband, that you sit next to me?“ als ich als Beifahrerin Platz nehme, aber der Mann bleibt im Rahmen. Das Fahrverhalten wird sogar schonender. Simon darf auch fahren. Die echten Dünen der Erg Chegaga sind heiß, so heiß dass wir uns lieber Tee eingießen lassen im Touristencamp, in dem eine Gruppe gerade mit Mantren meditiert. Schöne Stimmung, aber witzige Atmosphäre. Die Stille der Wüste wahrzunehmen wäre doch auch was Wunderbares! Wir haben tolle Eindrücke bekommen, tolle Aussichten in der Wüste, uns wurden Fossilien in Wüstensteinen gezeigt und wir haben die Kraft des 4x4 Fahrens gespürt. Am Ende vom Tag steigen wir um, auf Dromedare. Gaaanz anders, nämlich langsam. Erst in den Rhythmus kommen. Durch die Dünen hoch und runter, gut festhalten, es ist ein Erlebnis, aber lange halten wir es nicht aus. Dromedare sind keine Reittiere. Und ich komme mir doof vor auf einem durchs Dorf zu reiten, ich reiche Touristin vorbei an den arbeitenden Menschen auf dem Feld. Irgendwann laufen wir alle nebenher, unsere Hintern machen es nicht mehr mit.

Das Dorf ist das Letzte vor der Wüste, Einbahnstraße. Wir entschließen uns, von hier über Zagora die Teerstraße zu fahren und nicht mehr Offraod. Als wir aber doch an der Offroad-Abzweigung in Tagounite vorbei fahren, wollen wir doch nur mal schauen, wie die Piste beginnt: Wellblech… es rattert, wackelt, fällt aus den Regalen, rutscht raus, muss gut geschlossen sein, ist wieder wahnsinnig laut… wie damals in Russland und der Mongolei. Es riecht nach Zimt und Koriander, irgendein Gewürz ist ausgekippt. Und der Motor wird heiß! Simon checkt und stellt fest, der Motor sitzt schief, der Ventilator zum Runterkühlen kann sich nicht mehr richtig drehen. Er muss sich erst seine Drehung freischmelzen. Besser zurück. Und dann auf einer einfachen, guten Teerstraße durch einsame Gefilde am Rand der Wüste entlang, 500 km sind es bis Tafraoute. 

Das für heute. Macht euch nicht verrückt, macht es euch schön und bleibt gesund. Meditiert. Denkt an die Stille der Wüste. Aber Stille scheint sich ja auch in Europa auszubreiten. Achtet auf euch, innen und außen.

Freue mich über Kommentare, will schauen, ob Interessierte bis zum Ende lesen und ob sich mein Schreiben hier lohnt ;-) Traut euch.

Kommentare: 8
  • #8

    Kornelia (Mittwoch, 01 April 2020 17:19)

    Es ist immer interessant Eure Beiträge zu verfolgen. Seit wir Euch Sylvester 2018/2019 in Bayrisch Eisenstein kennen gelernt haben und neugierig Euer Womo begutachtet haben warten wir auf Eure Beiträge. Wir hoffen es geht Euch mindestens genauso gut wie uns,

  • #7

    Jinny (Mittwoch, 01 April 2020 05:26)

    Ok, ich trau mich! ;-)
    Schön von dir zu lesen und dass es euch trotz notgedrungener Pause gut geht.
    Ich sag nur: Pura vida! Passt gut auf euch auf.
    Liebe Grüße aus dem Land der Faultiere

  • #6

    von uns (Dienstag, 31 März 2020 20:39)

    Hallo lieber Rob Lindemann!
    Schön, von dir zu lesen!
    Du hast unsere Namen verwechselt, ist ja auch etwas verwirrend hier mit den Kommentaren und vor allem, weil du unsere Homepage auf deutsch liest oder übersetzt!
    Mit dem Entscheiden in dieser Corona-Zeit ist es nicht einfach. Die einen denken so, die anderen so. Wir sind nun in Marokko und allzu schnell kommen wir nicht einfach raus aus dem Land. Hoffentlich fahren die Fähren dann wieder. Momentan geht es uns wirklich gut. Wir wollten eh bis Mai in Marokko bleiben.
    Bleib gesund! Viel Glück! Hoffentlich kannst du bald wieder an den Atlantik fahren :-)
    Herzliche Grüße, Anne-Silja, Simon & die Jungs

  • #5

    von uns (Dienstag, 31 März 2020 20:31)

    Salam alaikum, Manu & Albrecht :-)
    Freut uns sehr von euch zu lesen! Ja, meine Güte, jetzt geht's los direkt in den Coronadschungel!! Wir wünschen euch sooo viel Glück fürs Gesundbleiben und Nerven bewahren, immer genug Kraft tanken zwischendurch. Wahnsinn, wie es sich so schnell entwickelt hat in dieser Zeit seit wir uns trafen "gerade noch" in Marrakesch. Ja, es ist so schade dass ihr eure Kinder & Enkel nicht umarmen könnt, hoffentlich nimmt der Spuk bald ein Ende.
    Herzliche Grüße aus Tafraoute,
    Anne-Silja, Simon & Jungs

  • #4

    Rob Lindeman (Dienstag, 31 März 2020 20:25)

    Hey Manu und Albrecht und kindern. Ich habe die letze tage an ihr gedacht. Wie es ist und wo sie sind. Nicht zuruck aber durch gefahren in Marokko. Ich habe viel bewunderung fur ihnen. So weit weg mit die kinder und die welt im crisis. Aber ja, sie kunnen es gut relativieren. Man kunnte nichts andern davon. Sie sind in einem schones land sehe ich. Und sie machenviel spaB und abenteuer. Geniess davon. Bleiben sie auch gesund en geh durch mit das abenteuer. Geniet fur uns auch und las uns wissen was sie allen dar machen. Dan konnen wir auch geniessen. Und alles sol wieder recht kommen. Grussen aus Holland. Und einem 'hug' fur die kindern. Sie haben es gut bei ihnen.
    Ich hoffen das meinen Deutsch zu verstanden ist :-)

  • #3

    Manu und Albrecht (Freitag, 27 März 2020 10:18)

    Heiho, ihr vier! Liebe Grüße aus D. Sind gut zu Hause angekommen, aber es ist schon auch ein wenig traurig: wir können nicht mal unsere Kinder und Enkel in die Arme schließen! Nach einem halben Jahr... Aber der Moment wird kommen, Insh Allah. Nächste Woche muss ich wieder in die Klinik, da ist echt was geboten.
    Ich bin froh, dass es euch so gut geht in Marokko! Grüßt die Kinder ganz lieb und bleibt gesund,
    Manu und Albrecht, eure Nachbarn vom Relais :-)

  • #2

    von uns (Montag, 23 März 2020 16:12)

    Liebe Tina! Angeln ging bis vor der Wüste und ja, es war spannend oben durch den Anti-Atlas zu kurven, mit diesem heruntergesackten Motor und stinkendem, feststeckendem Ventilator, der sich seinen Weg freischmolz. Nun sitzt der Motor wieder, in Tafraoute haben wir ja nun Zeit den Umständen auszuharren! Ganz lieben Dank für deinen Kommentar, freut mich total - wenn dann kommt Antwort zum Kommentaraufruf sicher von dir, liebe enthusiastische Mutmachsupertina :-)

  • #1

    TINA (Mittwoch, 18 März 2020 21:46)

    Oh mein Gott! Die Spinne!!! Ich hab schallend gelacht vor Entsetzen... und ich hätte, genau wie du, kein Auge mehr zu getan. Aber die hauen ja wieder ab... :D Schön zu lesen, dass es euch so gut geht! Noah kann nun aber nicht mehr angeln, nicht?! Und wie geht es dem Bus? Ist es nicht so schlimm, wenn sich der Ventilator verhakt? Obwohl Simon da ja der Improvisationsprofi ist! Als ich es gelesen habe dachte ich schon:" Nun ist es vorerst aus." 500 km... ich mag es kaum fragen, aber was passiert, wenn man echt eine Panne hat, die nicht selbst zu bewältigen ist? KS (Kamelstärke) besorgen und ziehen? Ganz liebe Grüße!!! Tina �

M`hamid / Beginn der Sahara - Marokko. Sonntag, 8. März 2020

 

Tatsächlich bleiben wir eine ganze Woche auf dem super Campingplatz Le Relais in Marrakesch.

Eine Mauer umzäunt das Gelände, zig Reisemobile sind hier. Es gibt gemütliche Sitzecken, einen kalten Pool, orientalische Stimmung, tolle Duschen, Pfauen und Hühner, vor allem liebe Nachbarn – viele Deutsche, auch Kinder. Schwer, davon los zu kommen! Außerhalb der Mauer ist der trockene Boden, Müll flattert, die Heimat wilder Hunde, zerfallene Lehmhütten …

In Marrakesch lernen wir die Souks kennen, essen erstmals in einer Garküche, sehen Schlangen, Affen, Leguane auf dem großen, bekannten Marktplatz und sind voll mit Sinneseindrücken.

Es wird Zeit, richtig Marokko kennen zu lernen.

Erst fahren wir südlich aus der Stadt, zu SOS Animaux, einer Auffangstation für misshandelte und kranke Tiere. Wir sind total beeindruckt. Über diese wertvolle, wichtige Arbeit einer deutschen Familie berichte ich bald.

Zurück wieder in Marrakesch verfahren wir uns in den engen Gassen der Medina – wir haben die richtige Abzweigung verpasst! Irgendwie dadurch. Und sind dann erleichtert, den Stadtmief, Abgasgestank hinter uns zu lassen.

Auf unserem Übernachtungsplatz auf einem Hügel klopft Abdul an unsere Tür, er gibt uns seine Nummer, falls was ist, dann sollen wir ihn anrufen.

Dann fahren wir durch den Atlas, die Pisten werden spannender, die Jungs mögen das. Zu Mittag gibts Tajine und Fleischspießchen…

Vor der Wüste soll Angeln nochmal sein, also hoffen wir in dieser trockenen Gegend auf Wasser im See bei Quarzazate. Die Flussläufe sind ausgetrocknet, es gibt kaum grün, aber der See hat Wasser. Abends machen wir ein Lagerfeuer, wie die anderen marokkanischen Familien um uns auch. Neben uns tanzen Afrikaner zu Musik. Die Frauen auf der anderen Seite bringen uns Gläser mit Gewürzkaffee und Kuchen und Brot. Leckerer Kaffee! Wir sind begeistert. Als Dank geben wir eine Gummibärchentüte, ist es doch ein besonderer Moment für uns, ein erstes Mal marokkanische Gastfreundlichkeit zu erfahren.

Am nächsten Morgen staunen wir: Ein grüner deutscher Bus kommt in die Nähe gefahren, irgendwie kommt er mir bekannt vor, zuerst erkennen wir uns nicht sofort… ist doch schon 5 Monate her ;-) Da standen wir gemeinsam an der wilden Nordküste Schottlands! Wir wussten nicht, dass wir in Marokko gleichzeitig unterwegs sind, die Freude über diesen Zufall, dass wir uns diese eine Nacht beide für diesen See entschieden haben, ist groß! Leider ist Lagerfeuer wegen Wind nicht möglich, aber gemeinsam essen und selfmade Couscous mit marokkanischen Gewürzen und anderen Leckereien ist auch wunderbar!

Noah hatte einen Karpfen gefangen, aber der Schwarzbarsch am nächsten Tag übertrumpft den Geschmack. Neben Fischglück gabs auch wieder Schildkröten an der Leine.

Wir fahren weiter durchs Gebirge und nächtigen in den Dattelpalmen im Draa Tal. Hier gibt’s jede Menge Babywasserschildkröten und sehr laute Frösche. Ein Dorfbewohner schenkt uns Rüben aus seinem alten Zementsack und wir geben Oliven zurück. Er fragt auch nach Kleidung, hätte ich meine aufgehoben und nicht in Spanien in den Altkleidercontainer geworfen! Die Landschaft mit flachem Flusslauf und Palmen ist idyllisch.

Wir wollen weiter Richtung Wüste. Lassen schnell die Stadt Zagora hinter uns und kehren auf einem Sanddünencamp eines Franzosen ein. Hier in M´Hamid beginnt die Sahara.

Und es ist Wind, unangenehm, stark für die Jahreszeit.

Alles ist mit einer Sandschicht überzogen. Die Schiebeschienen am Bus knarzen, unser Essen im Mund knirscht vom Sand, der Busboden sieht nach einem halben Tag aus wie eine Sandkiste.

Hier sind nun die Tuareg um uns, Dromedare, weiße Sanddünen beginnen sich in die Landschaft einzubetten. Es ist trocken und sonnig.

Und Datteln, die Süßigkeit der Wüste, schmecken hier plötzlich uns allen! Unser Fahrtenfutter.

Über die Wüste nächstes Mal.

In Marokko fahren...

Marrakesch - Marokko. Sonntag, 23. Februar 2020

 

Wir sind übers Wasser! Über die Straße von Gibraltar.

Am Tag vor der Überfahrt...

Simon will unbedingt noch in Carrefour Großeinkauf machen. Bei sowas wird er dann zur Shopping-Queen. Wenn er uns auch noch ansteckt und wir fast so viel Geld wie fürs Fährticket ausgeben, wirds peinlich… wir werden nicht verhungern, nur weil wir nach außerhalb Europa übersetzen. Auf dem Stellplatz in Algeciras, der Fährablege-Stadt, staunen wir wie viele dutzende Camper sich neben uns eingefunden haben – und … beobachten (erleichtert), dass wir nicht die Einzigen sind: Die anderen kommen mit zwei Einkaufswägen pro Camper zurück vom Carrefour, alles voll Wasser, Säfte, Käse,…

„Fährst du nach Marokko, dann geh zu Carlos.“ Er ist in aller Munde. Er hat den Ruf der Günstigste zu sein.

Von Tarifa überzusetzen ist uns sympathischer als Algeciras, weil kleinerer Hafen, schnellere Überfahrt, obwohl das Tarifa-Tanger-Schnellboot diese schwarze Wolke hinterlässt… es tun die Großen auch gewissermaßen. Auf jeden Fall kommen wir in Tarifa nicht unter 300 Euro (hin und zurück open) an Bord.

Also zu Carlos. Das Angebot seiner Leute: 250 Euro (180 Camper mitsamt Erwachsene, 70 die Kids, ebenfalls open). Ich halte inne, habe von anderen Familien von günstigeren Preisen bei ihm gehört, aber wir entscheiden uns doch schnell fürs Barzahlen. Kurz später fällt mir ein, ich hatte ja die App von FRS runtergeladen und darauf bisher nur Tarifa gecheckt…von Algeciras nach Tanger Med hätte es uns 215 gekostet. Also hätten wir per App-Buchung 35 Euro gespart. Dafür haben wir bei Carlos eine Flasche Wein und Kekse bekommen, vorgefertigte Tüten, die im Einkaufswagen im Büro auf die Ticketkäufer warten und freundlich, persönlich wirken. Wir bekommen noch ausdrücklich den Hinweis zu lesen, im Hafen von Algeciras niemandem Geld zu zahlen, der von uns Geld haben will, dort fallen keine Gebühren an.

Klappt das heute noch?

Guuuut. Am nächsten Morgen sollen wir eine Stunde vor Abfahrt im Hafen sein, alles bestens, sind wir, um 10.30 Uhr. Beobachten Militärfahrzeuge mit der Tarnfarbe „Wüste“ und bestaunen ein marokkanisches Auto, das im Kreisel nicht erkennt wohin es fahren soll: „Der kennt keine normalen Buchstaben!“.

Im ersten Kontrollhäuschen heißt es für uns: „Euer Schiff fährt nicht!“ Das nächste geht erst um 17.30 Uhr. Carlos ist auch hier bekannt und wird angerufen. Tatsächlich ist 10 Minuten später jemand da zum Ticketwechsel. Wirklich klasse. Dann möchte die Dame des Reisebüros 20 Euro Draufschlag haben. Hatte ihr Kollege uns nicht hingewiesen, wir sollen keine extra Gebühren zahlen? Es ist eh schon viel, was wir zahlen. Sie merkt unser Innehalten “Okay okay, only ten!“ (Vielleicht wirkt hier nun das Persönliche, vielleicht hätten wir den Ticketwechsel auch alleine hingekriegt, wer weiß.)

Wir werden sogleich fürs nächste Schiff hergewunken. Fahren durch die Kontrolle, hin zum Schiff, werden kurz vorher gestoppt „You are too high, you have to turn!“ Wir sind zu hoch und passen nicht mehr drauf, müssen vor allen anderen Wartenden umkehren und irgendwohin entgegen den Ansturm von Fahrzeugen, die auf das Schiff wollen. Rückweg! Ans Ende der Anstehenden. Das nächste Schiff geht um eins. Aus eins wird zwei. Und aus zwei wird drei, als wir die spanische Küste verlassen.

Immerhin. Geschafft! Wir erwischen zufällig einen gemütlichen, ruhigen Raum, von dem anscheinend nicht viele Passagiere wissen. So lässt sich die Fahrt gut überstehen. Trotz Schaukeln im Wind. Papiere ausfüllen, Einreise, Corona-Kontrolle und so, kein Problem. Lang dauerts nicht: Gegen halb fünf legen wir an.

Auf einem anderen Kontinent. AFRIKA!

Hohe Mauern und Zäune, da kommt kein Flüchtling durch. Dahinter Marokko, die andere Welt. Offene Küchen und Imbisse an der Straße, die Shops erinnern uns an Indien, dann auf die Autobahn, weg von Tanger. Heute noch nicht zuviel Marokko, wir wollen es sanft angehen lassen und suchen einen Campingplatz raus. In Asilah. Dort werden wir freundlich empfangen. Der Platz ist voll mit Ausländern,  besonders Franzosen, wir tanken Strom und fühlen uns dort zwei Tage wohl.

Auf der Straße tragen die Frauen Kopftücher und die Männer marokkanische lange Wollmäntel, das sieht in der Abendstimmung etwas aus wie Bademäntel. Der Muezzin gehört nun dazu.

Vor 4 Monaten sind wir über den Ärmelkanal nach Frankreich gekommen, das war schon anders als England. Nun von Spanien nach Marokko. Wir sind gespannt.

Finn freut sich auf das Schwimmbad und den Markt in Marrakesch und Noah ist sowieso happy über das Spannende in Marokko, das was anders ist.

Simon hat natürlich mega gegrinst, als wir dann „richtig“ in Marokko waren.

Es ist anders. Und braucht Gewöhnung!

Im Restaurant kommen Verkäufer, um eine Taschentuchpackung oder Nüsse oder Kekse zu verkaufen, 10 Katzen sitzen auf dem Boden und wollen was vom Fisch abkriegen. Wir beobachten, dass das Restessen, das Gäste hinterlassen, schnell in der Hand eines Mannes von der Straße mitgenommen wird. Unsere Nasen nehmen auf den Straßen wieder Gerüche wahr, bisserl wie in Indien.

Die Erde hinter Tanger wurde bald rot und die Sonne knallt immer mehr. Es gibt unzählige Bananenbaumplantagen unter Plastik. Auf der Autobahn queren Menschen die Straße, nicht ständig, eigentlich kann man gut fahren, aber das und spannend beladene Fahrzeuge zu überholen ist für mich als Fahrerin aufregender als das einzuschätzende Straßengeschehen in Westeuropa. An der Maut wird Simon (nicht französisch sprechend) erklärt „Quinze… is ten and five“. Ersteindrücke. 

Aus den Bergen bei Tarifa - Spanien. Donnerstag, 13. Februar 2020

 

So ist das. Warten. Ich und Geduld üben. Oder Simon: Sieh es doch nicht als warten, sondern lebe! Jipp, das ist wahr, nun hatte ich es so in meiner Birne verankert, dass wir nicht lange in Tarifa weilen sondern bald nach Marokko übersetzen und es wurde nix bis jetzt… erst musste das bestellte Teil ankommen, dann wurde die Visakarte gesperrt und es ist wohl besser man lässt sie sich nach Europa senden als nach Afrika.

Immerhin: Langeweile kommt nicht auf. Die Kinder haben Kinder zum Spielen, Rad fahren, Angeln, Skaten und ich hatte Zeit, mir innerhalb von drei Tagen via meinem deutschen Amazonaccount dieses Ofenteil (siehe Beitrag unten) in den Amazonlocker Tarifa schicken zu lassen. Dann hab ich Unmengen Mehl besorgt und bebacke nun die Familie :-) Es gibt hier einen Bioladen, eine glutenfreie Biobäckerei, einen Ökowaschsalon (mit nicht so extremen Waschmittel wie sonst üblich an den Waschautomaten). Eine andere Familie ist uns nah geworden, wir begleiten einander, haben viele Parallelen und merken mal wieder, was für ein Geschenk es ist, ähnliche Menschen zu treffen, mit denen es nicht viele Worte braucht und andrerseits ewig geplaudert werden kann.

Tarifa. An der engsten Stelle der Straße von Gibraltar. Die Stadt, die Kontroverse zusammenführt: Flüchtlingshotspot von Europa und weltbekannter Ort des Wind- und Kitesurftourismus…. Was würde ich machen, wenn vor mir während ich am Strand liege plötzlich ein Flüchtlingsboot ankommt? Neulich war es eine Nacht lang ganz unruhig vor uns auf dem Meer, die Küstenpatrouille fuhr hin und her und hin und her, leuchtete, Schiffe hupten dauernd laut. Was da wohl los war?

Mittelmeer und Atlantik treffen hier zusammen. In Tarifa beginnt die Costa de la Luz und die Costa del Sol bleibt hinter uns.

Es ist nicht richtig sommerlich, aber fast. Gibt noch zu viele Wolken und kühlen Wind. Aber es riecht nach Frühling. Bunte Blüten, Lavendel, Rosmarin, Zistrosenduft betören.

Morgens üben wir gerade wieder Bruchrechnung (in Abwechslung mit spannenderen Themen wie Koordinatensystem und negativen Zahlen), Englisch schreiben (für sein Alltagsenglisch bekommt Noah genug Komplimente), Rechtschreibung, in Bio geht’s gerade um Fortpflanzung im Tier- und Pflanzenreich, den Römern folgen nun die Germanen, obwohl die ja parallel da waren, Geo bleibt zur Zeit außer Atlaseinblicke bisserl auf der Strecke. Noah checkt einiges schneller als ich und das wird dann recht lustig. Aber das solls ja sein, wir üben fleißig am Spaß haben von manchmal trockenem Stoff und unserer Zweisamkeit-Lernsituation. Finn holt auch gern hin und wieder seine Zahlheftchen raus, malt gerade total viel und liebt vor allem Märchen. Soviel dazu, weil das ja immer gerne viele wissen wollen und ich noch nicht zum „wie geht’s überhaupt ohne Schule – Beitrag“ gekommen bin.

Übrigens: Wir werden recht zügig nach Marokkos Süden durchfahren, Großraum Marrakesch. Falls jemand Lust auf Marokko hat, und die Chance nutzen will jemanden dort zu kennen, wir freuen uns über Besuch von Groß und/oder Klein!

 

Tarifa - Spanien. Mittwoch, 4. Februar 2020

 

Still Tarifa.

Eigentlich haben wir ja total Lust weiter endlich nach Marokko überzusetzen. Afrika liegt direkt vor uns. Aber nun sind wir hier auf dem großen Platz voller Reisenden mit ihren umgebauten Meisterwerken, die ein Zuhause unterwegs liefern, Laster, Busse, und vielen normalen Campingwägen (nicht wenige Rentner haben gerne überdimensionale Größen). Und vor allem vielen Menschen. Die hiesigen Stellplätze sind alle voll diesen Winter. Ich denke, aktuell stehen hier gerade um die 50, wir hatten vollere Plätze und sogar das nahe kleine Dorf Bolonia ist voll belegt mit der angesagten Überwintermethode. Neulich waren wir dort am schönen Strand zum Auftanken in Ruhe von all den Reizen, die ein großer Platz bietet.

Aber dann doch zurück nach Tarifa.

Oh, die Morgensonne kommt gerade hinter den Bergen hervor und leuchtet mich mit aller warmen Kraft orange an. Der Himmel ist klar, die Sonne tut gut. Ich hab Zeit, trinke in Ruhe meinen Morgenkaffee und sitze am Laptop. Noah hatte über Nacht wieder einen Angelversuch mit seinem Freund im Zelt gestartet, aber dann wurde er doch müde und kam zurück in sein Bett… In einer Nacht am Fluss hatten die beiden reiche Beute gemacht. Jede Menge Aal, geräuchert haben wir ihn nicht, aber gebraten schmeckt er auch, meinten die Aalesser begeistert. Wow, die Sonne strahlt. Knallgelborange mich an. Ein kleines Schildkrötenabenteuer hat Noah auch erlebt, dazu wollte er auf dem Kinderblog was schreiben.

Genau, und das ist es was uns hierhält. Die Erlebnisse mit anderen. Die Kinder haben hier Freunde gefunden, mit denen sie ihre Interessen teilen können. Finn hat sogar einen deutschen kleinen Lego-Ninjago-Fan gefunden, das ist eine seltene Begegnung unterwegs! Und wir Großen tauschen uns aus, es gibt jede Menge Inspirationen. Von einigen Begegnungen bin ich sehr berührt, solche Erlebnisse im Alltag sind doch selten zu finden. Es liegt auch daran, dass hier eben mehr Vielfalt an Lebenswegen gelebt wird. Und dann die Ideen, auf die mich andere bringen. So kam ich zu meinem Gasherd-Ofen, über den ich mich unheimlich freue, denn so kann ich backen – wenn auch in Miniformat! Auch wenn ich keine begabte Backfee bin, ich liebe es und ich hab`s sehr vermisst! Nun zauberte ich gestern auf meiner Gasflamme in einer speziellen Form erst Kokoskuchen, abends vegane Lasagne, es war der Hammer! Weiter geht’s mit Brot. Das Witzige, alles wird als Kreis gebacken.

Wenn wir dann zu Simons 40. immer noch nicht in seinem absoluten Lieblingsland (das war es auch schon 2002, als wir uns in Indien trafen) Marokko sind, dann gibt‘s immerhin selbstgebackenen Kuchen! Marokko wird dann nachgereicht J

 

 

Tarifa - Spanien. Freitag, 24. Januar 2020

 

Statusmeldung: Kuschelig. Mit Musik.

Was Besseres gibt’s nicht, wenn`s draußen nasskühl ist – Innenkehr, tut gut nach reicher Erlebnis- und Leutetreffzeit seit Dezember.

Nach unserer Deutschlandvisite verbrachten wir Woche eins in Malaga am Strand. Woche zwei in Marbella am Strand.

Auf dem ersten Platz mindestens 40 Reisemobile, vorwiegend Rentner, die ihren Winter in Südeuropa verbringen.

Auf dem nächsten Platz waren mindestens 20 deutsche Kinder eine Woche lang zusammen, dazu anderssprachige.  Ein Sammelort von Familien, die auf Auszeit, Elternzeit oder „deutschlandflüchtigem“ Ausstieg (wegen Schulpflicht etc) sind.

Allen gemeinsam ist mehr Zeit zu haben als im deutschen Alltag, ohne Termindruck in den Tag zu starten. Ansonsten sind es ziemlich verschiedene Menschen und Stile.

Dann wurde das Wetter grummelig. Alles wird wieder oberschlammig.

Mit Platz meine ich "Stellplatz für Reisemobile". Durch entsprechende Apps finden wir sie. Unsere Favoriten sind kostenlose, nett gelegene Orte. Leider umso beliebter, umso mehr Müll. Und natürlich sind das oft Sammelplätze, besonders im Winter, WoMo-Season. Im Sommer standen wir hier in Andalusien auf denselben Plätzen mit weitaus weniger Nachbarn. Am Mittelmeer in Andalusien sind wir also fast nur unter Deutschen, dazu ist snobby Marbella auch ziemlich deutsches Pflaster.

An Gibraltar vorbei ist die Straße über der Wasserkante aktuell von grünen Wiesen umgeben wie in Schottland, dazu typisch schottisch dunkle Wolken. Ganz anders als vorm halben Jahr hier in Megahitze und Trockenheit!

Und noch was ist ganz anders: Wir merken, wie uns Westeuropa reicht, wie uns das Platz-Hopping reicht, wie wir anders die Welt kennenlernen wollen. Nämlich so, wie wir es eigentlich wollten: Weniger gewohnte Umgebung, mehr andere Kulturen, in die wir mehr abtauchen. Europa zum Gewöhnen war dann mal.

Kräftezehrende Erkältungsgeschichten sind auch wieder Back-to-Power gewichen.

Meine Nase funktioniert wieder, und besonders gut wenn die Männer nicht auf die Idee kommen zu lüften bevor ich zurück in den Bus komme. Simon hat eine beschwichtigende Idee, man könne ja die Luft mit Orangenschalen im Gebläse erfrischen. 

 

Malaga - Spanien. Sonntag, 12. Januar 2020

Die Müllmänner!

Sie sind einfach toll.

Hierarchisch (wie besonders in Deutschland Jobs definiert werden) sollten sie gaaaanz oben stehen und jeder! sollte einmal einen Dienstmonat übernehmen.

Schließlich ist das mein Dreck, der da versorgt wird.

Alles sauber zu halten und sich gut um Abfall zu kümmern, ist eine wichtige Grundlage für gesund leben! Aufmerksamkeit hin da.

Weil ich einfach dankbar bin, dass jemand unseren Müll versorgt (abgesehen davon dass zu viel produziert wird und die endgültige Versorgung problematisch ist), hatte ich vor Weihnachten eine Idee: Auf unserem Strand-Stellplatz in Malaga wird täglich außer sonntags Müll geleert. Sobald ich den Müllwagen ankommen sah, bin ich hin und gab dem Mann eine große Packung Merci in die Hand. Die nahm er natürlich an, zielte damit aber direkt auf die hintere Klappe des Müllwagens zu. „No, no! It’s for you, for eating!“ rief ich. Er stoppte, zeigte fragend mit Finger von der Mercipackung zu seinem Mund. Ich nickte. Er hielt kurz inne. Das war ungewohnt für ihn. Lächelte etwas. Er verstand mich auch nicht wirklich, wohl auch Ausländer, wie ich. Aber er freute sich. Brachte die Schoki sogleich in die Fahrerkabine zu seinem Kollegen.

Also: We`re back to Malaga!! Nach kurzen drei Wochen in Deutschlands Norden.

Aber jetzt ist es besser als vorher. Nach einem Jahr Familie und Freunde nicht sehen haben wir wieder aufgetankt und schöne Feiertage zusammen verbracht. Haben voll genossen, was für uns besonders ist: viele, viele vertraute Leute um uns, Einzelraumverteilung, Badewanne, Sauna, einhüllen in die Geborgenheit eines Hauses,… aber das muss nicht wieder Dauerzustand werden!

Wir sind froh, bewusst sparsam zu leben und zu können! und in unserem gemütlichen Heim die Welt weiter zu erkunden.

Ja. Ein dreiviertel Jahr lang sind wir nun „on the road“. Zu viert Minimalismus lebend in fremden Welten. Jetzt wissen wir mehr, wie es sich am besten hoppelt.

2019 waren wir zu schnell unterwegs, wollten Termine einhalten, sind nach Portugal, nach Schottland und zurück nach Südspanien geflitzt. Und wir sind immer noch in Europa! Einlassen, auflösen, sein akzeptieren, entdecken wo man steht – das waren die Themen 2019. Eine Basis schaffen, wie man es gemeinsam überhaupt so eng aushält und wie wir unsere Zeit gestalten.

Für unseren Schritt ins Homeschooling sind wir dankbar. Das läuft.

Jetzt kann Noah wieder in der Sonne seinem Fischbusiness nachgehen. Er verkauft sie nämlich neuerdings. Und das klappt sogar. „Also dann bis bald, das Angelwetter knallt, ich hoff ich fang nen großen Fisch, Fisch, Fisch!“ summt er fröhlich vor sich hin.

Seine Oliven, die er beim vorletzten Vollmond an den Schwefelquellen sammelte und in Wasser einlegte, um die Bitterkeit zu entziehen, sind auch was geworden! Regelmäßiges Wasserwechseln, Kräuter und Öl hinzufügen - nun kann er die Kunst, Oliven essbar und lecker zu machen.

Finn ist derweil mit Lego beschäftigt, und will nun morgens auch „dieselben Hefte“ wie Noah lernen und rätseln, also fangen wir jetzt auch ein bisschen an.

Wir brauchen nach dem Deutschland-Trip noch bisserl zum Ankommen und dann werden wir unserer Aufbruch-Stimmung nachgehen. 

Bis zur nächsten Woche!

Niedersachsen - Deutschland. Montag, 6. Januar 2020

Ein schönes neues Jahr, gehabt euch wohl! 

Die ersten Grüße zu Jahresbeginn auf dieser Seite kommen aus Deutschlands Norden, wo wir ganz spontan Zeit mit Familie und Freunden verbringen.

Fliegen ist nicht unser Ding, aber manchmal ist es das eben doch.

So lassen wir für eine Weile den Minimalismus hinter uns, tauchen ein in die Selbstverständlichkeiten, die wir aus Deutschland kennen: Reichlich, alles ist reichlich vorhanden, Wasser, Strom, ein Toilettentank wo noch was reinpasst, Termine, Deutsche Leute und Produkte... Umgeben von Fülle, natürlich gerade zu dieser Jahreszeit - wir sind wieder voll mit allem möglichen. 

Eigentlich reicht doch auch Wärme, Atmen und gutes Wasser. Und natürlich die Liebe :-) die wir hier gerade intensiv spüren dürfen.

Die norddeutsche Luft ist frisch und kühl, aber nicht kalt.

Es gibt ein Frostbild für den neuen Blog. Ein Bild einer Raunacht.